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Fridays For Future So setzen sich Wildeshauser Schüler für die Umwelt ein

Verena Sieling

Wildeshausen - Die 17-jährigen Schülerinnen Julia, Leonie und Thineke sind sich einig: Um das Klima zu schützen, kann jeder etwas im Alltag unternehmen. „Es betrifft uns, unsere Kinder und die späteren Generationen“, sagte Julia am Freitagmorgen auf dem Parkplatz der Volkshochschule am Bahnhof. Sie war eine von gut 200 Schülerinnen und Schülern, die an der „Fridays for future“-Demonstration in Wildeshausen teilgenommen hat. Es war eine von mehreren Aktionen, die Jugendliche zugunsten des Klimaschutzes organisiert hatten.

Was wurde gemacht?

Organisiert worden war die Demo von einer Schülergruppe der Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen. „Es sind nicht nur Schüler der BBS, sondern beispielsweise auch der Realschule und von Gut Spasche dabei“, wusste Demonstrantin Jenna zu berichten. Sie und weitere Teilnehmer betonten: „Die Demo ist keine Schulveranstaltung.“ Mit Transparenten, die Sprüche wie „Klimagerechtigkeit jetzt“ oder „Hier könnte Ihr Meeresspiegel stehen“ zeigten, zogen sie durch die Stadt. Ziel war das Gelände der Berufsbildenden Schulen Wildeshausen. Dort hatten Schüler den Aktionstag „Nachhaltige Entwicklung“ am Beruflichen Gymnasium organisiert.

Mithilfe von außerschulischen Partnern sowie Lehrkräften wurden 14 Workshops angeboten: So zeigte die Firma Thoms & Meyer GbR Baumschulen Gartengestaltung aus Wildeshausen beispielsweise, wie Bäume und Bodendecker angepflanzt werden. „Wir pflanzen heute drei Buchenbäume“, erklärte Mitarbeiter Tim Würdemann. Die Kosten für die Bepflanzungen übernahm der Landkreis Oldenburg.

Dass aufgrund des Klimaschutzes verstärkt Bäume gekauft würden, könne sie nicht beobachten, erklärte Ilka Krüger aus der Geschäftsführung am Rande der Pflanzaktion. „Aber die Kunden achten seit gut zwei Jahren verstärkt darauf, dass die Pflanzen bienenfreundlich sind.“

Bevor es ans Pflanzen ging, hatten das Klimakollektiv Oldenburg und der Wildeshauser Unternehmer Wilhelm Hoffrogge durch Beiträge den Aktionstag eröffnet.

Was wird gemacht?

Hoffrogge ist Initiator eines Pilotprojekts der Mittelstandsvereinigung (MIT) Wildeshausen, an dem sich das Berufliche Gymnasium künftig mit einer Klimaschutz-AG beteiligen wird. Das sollen Passanten sehen: Ein am Donnerstag aufgehängtes Banner vor den Schulen macht auf die Klimaschutz-AG aufmerksam.

Die Idee zu dem Pilotprojekt, an dem laut Schirmherr und MIT-Vorsitzender Ingo Hermes spontan 13 Wildeshauser Unternehmen ihre Zusagen gaben: Firmen ermitteln ihren CO2-Fußabdruck und leiten umweltfreundliche Maßnahmen ein. In 2017 hatte dies das Software- und Beratungsunternehmen Hoffrogge selbst gemacht. Es verringerte daraufhin die Freisetzung des Treibhausgases – „von 2017 auf 2018 um 20 Prozent“ – und leitete durch Beteiligung an einem Klimaschutzprojekt Kompensationsmaßnahmen ein.

Doch Hermes ist sicher: Allein schon um den CO2-Fußabdruck zu ermitteln, hätten Unternehmen im Alltag nicht die nötige Zeit und „Man-Power“. Hier setzt die Klimaschutz-AG an: Gemeinsam mit den Unternehmern sammeln die Schüler die nötigen Daten – beispielsweise die täglich mit dem Auto gefahrenen Kilometer der Mitarbeiter –, um so unter Anleitung den Fußabdruck zu berechnen. Ralf Röhl, Projektbeauftragter des Beruflichen Gymnasiums, zeigte sich während des Banneraufhängens sichtlich begeistert von dem Pilotprojekt.

Das sagen die Schüler

Dass sie nicht nur über den Klimaschutz reden, sondern ihn im Alltag auch umsetzen, zeigten am Freitag Gespräche mit den Jugendlichen. Kath­leen (17) fährt von Ganderkesee aus mit dem Bus zur Schule, „ansonsten fahre ich überall mit dem Fahrrad hin“. Auf Fahrrad oder Zug greift auch Greta zurück. Die 16-Jährige merkt jedoch auch, dass eine Zugfahrt mit Hindernissen verbunden ist – nämlich Verspätungen. Das spürt auch Mohamad. Trotzdem kommt der 17-Jährige jeden Morgen von Lutten (Landkreis Vechta) mit dem Zug nach Wildeshausen, um vom Bahnhof aus zur Schule zu laufen. „Ich stehe um halb 6 morgens auf.“

Dass das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel erschwert wird, machte Leonie deutlich. Die 17-Jährige monierte: „Wir leben auf dem Land – da sind die Busverbindungen nicht gut.“

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