WILDESHAUSEN - Lehrer Axel Möhl zeigte den Kindern der Holbeinschule die gesundheitlichen Gefahren aus. Beim Test war die Klasse lauter als eine Kreissäge.
Von Stefan Idel
WILDESHAUSEN - „Wir sind lauter als eine Kreissäge“, staunte der kleine Hans-Martin. Lehrer Axel Möhl, der im Auftrag der Landesschulbehörde heimische Schulen in Fragen des Gesundheitsschutzes betreut, hatte gestern in der Klasse 3a der Wildeshauser Holbeinschule den Schallpegel gemessen. Als er die Schülerinnen und Schüler aufforderte, doch einmal richtig Krach zu machen, erreichten sie einen Wert von 105 Dezibel. Auf einer Skala, die Röhl ähnlich wie ein Fieberthermometer an die Tafel gemalt hatte, stand 100 für Kreissäge. „Dabei sollte der Wert von 80 nicht überschritten werden, sonst werden wir krank“, ermahnte der 36-jährige Pädagoge die Klasse.Damit die Schüler ein besseres Gefühl dafür entwickeln, wann der Geräuschpegel das erträgliche Maß überschritten hat, installierte er vorübergehend eine so genannte „Lärmampel“. Dabei handelt es sich um ein rund 500 Euro teures Lautstärke-Messgerät, das ein Ohr symbolisiert. Befindet sich das Ohr im grünen Zustand, sind die Arbeitsbedingungen in der Klasse in Ordnung. Doch schon ab 65 Dezibel springt die Ampel auf Gelb; die rote Phase wird angezeigt, wenn 80 Dezibel überschritten sind. Die Kinder zeigten sich angetan von dem neuen Instrument.
Schallpegelaufzeichnungen während des Unterrichts zeigten, dass die Gesundheit von Lehrern wie Schülern deutlich beeinträchtigt werde, erläuterte Möhl. Der Erholungswert von Unterrichtspausen sei eher gering. Das bestätigten auch Beobachtungen der Studie „Lärm in Schulen“. Möhl, der eigentlich an den Berufsbildenden Schulen im Bereich Bautechnik unterrichtet, informiert gemeinsam mit zehn weiteren Fachkräften in Weser-Ems über die Integration des Gesundheitsschutzes in die Schulorganisation. Landesweit beraten mehr als 40 Experten die Schulen.
Die Frage, ob es während des Unterrichts laut sein sollte, verneinten die Kinder der 3a eindeutig. „Da kann man ja schwerhörig werden“, meinte ein Steppke. Ein anderer fürchtet, dass der Lehrerin das Trommelfell platzt. „Und dann können wir uns nicht mehr unterhalten.“ Künftig wollen sich die Schülerinnen und Schüler an der „Lärmampel orientieren“.
Rektorin Heike Röhl ließ aber Ausnahmen zu: „Beim Lachen darf die Ampel ruhig einmal Rot zeigen.“
