WILDESHAUSEN - „Die Stärkung des Klassenlehrerprinzips an der Grundschule hat sich bewährt. In der weiterführenden Schule ist die Umstellung vom Gymnasium zur Integrierten Gesamtschule gelungen.“ Eine positive Bilanz des abgelaufenen Schuljahres zieht Berthold Seidel, geschäftsführender Direktor der Privatschule Gut Spascher Sand in Wildeshausen. Im Sommer werden die Siebtklässler in die neue „Farmschule“ einziehen.

Die Idee der Farmschule sei es, den eher theorie- und kopflastigen Schulunterricht durch Praxisbezüge lebendig und interessant werden zu lassen. Gerade während der Pubertät benötigte die Schüler einen anderen Unterricht, erläutert der Pädagoge. Da das Thema „Gesunde Ernährung“ auf dem Lehrplan stehe, werde Hauswirtschafterin Bernadette Lön­necke mit den Schülern Lebensmittel einkaufen und in der Lehrküche das Essen zubereiten. Es wird Garten- und Pflanzenbau betrieben. Um Fragen der Tierethik zu thematisieren, sollen die Jugendlichen selbst Schafe und andere Nutztiere halten. Auch Bienenkulturen werden auf Spasche angesiedelt.

Im Zuge des weiteren Ausbaus der „Farmschule“ sollen die Jugendlichen einen Hofladen betreiben und mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen handeln. Die Projekte werden dokumentiert und benotet. Es gehe nicht allein darum, die Theorie lebendig werden zu lassen, sondern auch die ethischen Folgen des Handelns zu vermitteln, so Seidel.

Im Jahr 2011 sollen die Achtklässler dann von der „Farmschule“ aufs ehemalige Kasernengelände ziehen. „Wir haben die einmalige Chance, pädagogische Ideen in Architektur zu gießen“, sagt der Rektor und blättert die Baupläne auf. Im Erdgeschoss der ehemaligen Standortverwaltung entsteht auf mehr als 200 Quadratmetern eine Bibliothek. Die Schule hat einen „Bücherschatz“ geerbt und lässt derzeit die Bände aus Süddeutschland heranfahren. Hinzu kommen PC-Arbeitsplätze, Caféteria und die Büros der Lehrer. Im 1. Stock sollen unter anderem Fachräume für Naturwissenschaften eingerichtet werden. Reichlich Platz für Lerngruppen mit bis zu 40 Schülern entsteht im Dachgeschoss. „Wir lösen die Zweizügigkeit auf“, erläutert Seidel. So könnten für die Jahrgänge 8 und 9 drei verschiedene Leistungsprofile angeboten werden. „Wir wollen die Schüler auf der Spitze ihrer Möglichkeiten fördern.“

Im Mittelpunkt der Didaktik auf Spasche stehe das Konzept der „Salutogenese“ – also die Erhaltung der Gesundheit. Getreu dem Motto „Schule macht stark.“ Um die Schülerinnen und Schüler so optimal wie möglich fördern zu können, plant die Schule in Zusammenarbeit mit dem Bremer Hirnforscher Dr. Gerhard Roth und Professor Dr. Günter Trost, Mitbegründer und Gesellschafter der ITB Consulting GmbH, ein Projekt zur Begabungsanalyse. Im Frühjahr 2011 sei eine Fragebogen gestützte Umfrage geplant, um individuelle Lehrpläne erstellen zu können.

Auch weitere Kooperationen werden Seidel zufolge vorbereitet: Im Rahmen der Gewaltprävention folgt eine Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (kfn). Erstmals wird die Privatschule im kommenden Schuljahr eine Golf-AG anbieten. Um den Teamgeist zu fördern, werden die Schüler des Jahrgangs 8 eine Fahrt zum Segelzentrum Ratzeburg unternehmen. Auch eine Kooperation mit einem Segelverein kann sich der Schuldirektor gut vorstellen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent