WILDESHAUSEN - Die Schule als rechtsfreier Raum: Das gibts nicht oft. Genau genommen nur einmal im Jahr für wenige Stunden beim so genannten Abistreich.
Die 174 Abiturienten des Gymnasiums Wildeshausen haben im wahrsten Sinne des Wortes am Mittwoch alle Regeln über Bord geworfen und ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten aufgestellt. Diese besagen: Erscheine im Piratendress, kaper ein Schiff (in diesem Fall eine große Bühne) und lass auch die jüngeren Schüler an dieser wilden Party teilhaben, die frei nach dem Motto Pirates of the CarABIean Der Fluch ist vorbei! abläuft.
Plankenkampf
Augenklappe, Säbel und Totenkopfshirt gehörten an diesem Tag ebenso zur Standardausrüstung wie die obligatorischen Wasserpistolen, mit denen die unteren Klassen auf dem Sportplatz willkommen geheißen wurden. Nur der grimmige Blick, mit dem echte Piraten gerne ihre Kontrahenten fixieren, ließ sich nicht konsequent durchhalten. Die Erleichterung über die bestandenen Prüfungen stand den meisten förmlich ins Gesicht geschrieben.
Heute wollen wir einfach nur ganz viel Spaß haben, freute sich Oliver Ralle. Jetzt geht das Feiern erst richtig los, ergänzte Abiturientin Saskia Löding. Und Maike Schweers sagte: Wehmut kommt, wenn überhaupt, erst bei unserem letzten Zusammentreffen auf dem Abiball auf.
Wie leicht das Leben sein kann, wenn man keinen Mathe- oder Deutschunterricht mehr hat davon konnte sich auch das Lehrerkollegium überzeugen. Es erlebte Schüler, die tanzten, sangen und bei unterhaltsamen Spielen zum Mitmachen aufforderten. So wurde beim Piratenquiz wichtiges Fachwissen abgefragt, und auf die richtige Balance kam es beim Plankenkampf (über einem mit Wasser gefüllten Planschbecken) an. Schüler gegen Lehrer ein Klassiker, der in dieser Form wohl ebenfalls nur einmal im Jahr erlaubt ist.
Wenn ich in ein paar Jahren mein Abitur mache, möchte ich auch so ausgelassen feiern, bekannte Stefan aus der 5 g ein bisschen neidisch. Er konnte sich gar nicht entscheiden, was ihm am besten gefallen habe: Das war alles gut, lautete sein Urteil. Schön sei auch der Film ,Schüler gegen Hausmeister gewesen. Doch bis er selber mal oben auf der Bühne stehen wird, bleibt noch genügend Zeit, um sich auf diesen Tag vorzubereiten.
Dass die Suche nach einem geeigneten Partymotto nicht wirklich einfach ist, weiß Saskia Löding: Wir hatten mehrere zur Auswahl und haben dann gemeinschaftlich abgestimmt. Glück gehabt, dass sich nicht der Favorit: 13 Jahre blau und trotzdem schlau durchgesetzt hat. Er würde auch gar nicht zutreffen: Rund die Hälfte der Abiturienten hat die Hochschulreife bereits nach zwölf Jahren erreicht.
Studieren oder arbeiten?
Und was kommt nun als nächstes? Ausspannen, arbeiten oder studieren?
Sollte man mich nehmen, möchte ich Biogeoanalyse in Trier studieren, so Maike Schweers. Konkrete Zukunftspläne hat auch Oliver Ralle: Ich beginne eine Ausbildung zum Industrietechniker.
Doch egal, wohin der Weg die 174 Ex-Schüler führt ihrer Heimat und dem Schulstandort Wildeshausen wollen sie alle verbunden bleiben.
