Wildeshausen - Weihnachten und die Tage bis zum Jahreswechsel werden oft als „friedvolle Zeit“ beschrieben. Doch wie geht das: Frieden schaffen? Das Team der Streitschlichter an der Hauptschule Wildeshausen hat da so seine Erfahrungen gesammelt.
Oft Kleinigkeiten
„Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die sich dann aber hochschaukeln“, berichten Nicole, Jannes (beide 16 Jahre), Matt und Steve (beide 15). Dann komme es schnell zu Beleidigungen und Handgreiflichkeiten. Erst neulich wieder: „Eine Fünfklässlerin hat rumgezickt, weil ihre Freundin mit einer anderen ins Kino gehen wollte“, berichtet Nicole. Die Streitschlichter hörten sich beide Seiten an, fragten nach und versuchten, Missverständnisse auszuräumen. Schließlich fanden alle gemeinsam eine Lösung: „Sie sahen sich den Film, übrigens „Fack ju Göthe“, gemeinsam an“, so Nicole. Anschließend tauschten sich die Mädchen aus.
Es gebe aber auch schwierige Fälle: Bei Rangeleien auf dem Schulhof werden Lehrer hinzugezogen. Und obwohl die Schule als „Handy-freie Zone“ gilt, werde gelegentlich Mobbing per Mobiltelefon betrieben. So sei es schon vorgekommen, dass Lehrer die Streitschlichter bitten, mitzuhelfen, den Fall zu lösen.
Die Teilnahme an der Streitschlichter-AG, die von Lehrerin Vera Knapp und dem Sozialpädagogen Stefan Fragel betreut wird, ist freiwillig. „Ich mache mit, weil ich helfen wollte“, so Jannes. Seit langer Zeit gehört auch Steve mit zum Team. „Ich möchte, dass es weniger Streit an unserer Schule gibt“, sagt er. Auch Matt meint, die Teilnahme an der Arbeitsgemeinschaft sein keinesfalls Zeitverschwendung, zumal das Arbeits- und Sozialverhalten auf dem Zeugnis gesondert ausgewiesen werde.
Jugendliche engagiert
Nachwuchsprobleme für die Gruppe der Acht- bis Zehntklässler gebe es kaum: „Das Bild vom mangelnden Engagement der jungen Leute ist falsch“, sagt Lehrerin Knapp. Fit gemacht wurde das Team bei einem Seminar im Jugendzentrum „Jott-Zett“. Dort wurden bei Rollenspielen verschiedene Situationen trainiert. Zugleich gaben sich die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit den Streithähnen Regeln wie „Ausreden lassen“, „höflich ansprechen“, „Fehler zugeben“ oder Vertraulichkeit und Respekt. In der Regel sind die Streitschlichter, die blaue Pullis tragen, in den Pausen unterwegs. Es sei aber schon vorgekommen, dass nach Unterrichtsschluss Probleme gemeistert wurden, so Fragel.
Über ihre Zukunft machen sich die Streitschlichter bereits Gedanken. Nicole möchte nach der Schule gern ein Jahr ins Ausland. Jannes denkt in Richtung Physiotherapeut. Matt strebt eine Ausbildung als Elektrotechniker an. Und für 2018? „Erstmal ist Frieden unser Ziel“, sagen sie.
