WILDESHAUSEN - Beruf und Berufung liegen dicht beieinander: „Ich wollte immer gern Lehrer und Schulleiter werden“, sagt Steffen Akkermann. Aber das Verteilen von Schulnoten sei noch immer „eine schmerzliche Geburt“. „Ich habe gedacht, es würde durch die Routine besser“, erzählt der 65-jährige Pädagoge, „aber da ist sehr viel Herzblut dabei.“

Nach mehr als 42 Jahren hat der bei Schülern, Eltern wie im Kollegenkreis gleichermaßen beliebte Leiter der Realschule Wildeshausen am Freitag, 29. Januar, seinen letzten Arbeitstag. „Ich habe gern gestaltet“, zieht er eine positive Bilanz. Unter der Ägide des überzeugten Europäers pflegt die Schule partnerschaftliche Kontakte unter anderem zu Schulen in Cholet (Frankreich) und Poreba (Polen). Als eine der wenigen Realschulen in Niedersachsen wird das Fach Spanisch eingeführt. Es entstehen Bläser-Kreis und andere Arbeitsgemeinschaften. „Besonders liegt mir der Ganztagsbereich am Herzen“, freut sich Akkermann, dass auch dessen Umsetzung gelingt.

Tolles Kollegium

Als der gebürtige Borkumer Anfang der 60er-Jahre sein Abitur an der Niedersächsischen Heimschule in Helmstedt (heute: Gymnasium am Bötschenberg) macht, wächst der Wunsch, Lehrer zu werden. Im April 1967 tritt er seine erste Stelle als Volksschullehrer in Harpstedt an. Nach drei Jahren wird er zum „Lehrer auf Lebenszeit“ ernannt. Nebenbei studiert Akkermann in Oldenburg die Fächer Mathematik und Biologie. „1978 habe ich die letzte Klausur geschrieben und mit der Note 1 bestanden“, erinnert er sich.

1981 wird der Pädagoge zum Realschullehrer in Harpstedt berufen. „Ich hatte schon damals große Klassen mit 35 Schülern.“ 1986 wechselt Akkermann als Konrektor nach Ganderkesee. „Gleich als ich ankam, sagte mir der damalige Schulleiter Peter Wolf, dass er in Kürze nach Westerstede wechselt.“ In Ganderkesee erlebt Akkermann weitere Veränderungen an der Spitze – bis er 1994 Realschulleiter in der Kreisstadt wird.

Zu den einschneidenden Erlebnissen zählt er die Abschaffung der Orientierungsstufe und den Umzug an die Konradstraße. Heute ist die Realschule „eigenständig“. Als „vollen Erfolg“ bezeichnet Akkermann die Einführung der Ganztagsschule. Die sehr guten Mitarbeiter im Kollegium machen ihm die Arbeit leicht. Daher wisse er „seine“ Schule künftig in guten Händen.

„Ernte“ zum Gildefest

Seit 42 Jahren fährt Akkermann fast täglich mit dem Fahrrad zum Dienst – knapp 13 Kilometer pro Strecke ab Harpstedt. Rein rechnerisch sei er mindestens einmal um den Erdball geradelt. Zu spät zum Unterricht kommt er in seinem Berufsleben äußerst selten. Nur an einen Fall erinnert er sich gut: „Als ich kam, stand mein damaliger Schulleiter Günter Knappmeier bereits vor der Klasse. Beim Herausgehen sagte er nur: Wir sprechen uns noch.“ Mittlerweiler unterrichtet Akkermann bereits die Kinder seiner ersten Schüler. Und das Gildefest sei für ihn wie das Einbringen der Ernte: „Dann kommen viele ehemalige Schüler auf mich zu und erzählen, was aus ihnen geworden ist.“ So werde manche Investition zurückgezahlt.

Große Pläne für die Zukunft schmiedet der Pädagoge eigentlich nicht. Da ist zum einen die Familie, mit Ehefrau Elisabeth, den Kindern Antje und Klaas und Enkelkind Maria Teresa, und es bleiben Ehrenämter in Harpstedt: Prager, Gemischter Chor, Partnerschaftskomitee oder die Europa-Union für den Landkreis. Regelmäßig schreibt er zum Jahreswechsel stark autobiographisch geprägte Kurzgeschichten an Freunde und Bekannte. Diese will er in einem Werk zusammenfassen und weiterhin die Autorenschaft pflegen.

Wer Steffen Akkermann derzeit beobachtet, wie er am Schreibtisch die Halbjahreszeugnisse unterschreibt, Bilder von der Familie und diverse Leuchtturm-Modelle im Blick, mag kaum glauben, dass er in wenigen Tagen aus dem Beruf aussteigt. Aber er verspricht: „Am 29. wird das Büro ausgeräumt sein.“