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Klimaschutz Mit einer Kanne Regenwasser überleben

WILDESHAUSEN - Erderwärmung, Reduzierung der Treibhausgase, Emissionshandel – spätestens seit der UN-Klimaschutzkonferenz von Kyoto haben die Begriffe in der politischen Diskussion einen hohen Stellenwert erhalten. Globales Denken und Handeln im Schulalltag umzusetzen gilt als kompliziert. Grund genug für die Wildeshauser Privatschule Gut Spascher Sand, ein Projekt aufzulegen – mit dem Ziel, einen umfassenden Lehrplan zur Umweltbildung mit dem Fokus auf den Klimaschutz zu entwickeln.

Drei Klimazonen

„Wir haben beim Bundesumweltministerium einen entsprechenden Förderantrag gestellt“, verrät Schulleiter Berthold Seidel. Wesentlicher Bestandteil des Projekts sei die Vernetzung der Ansätze verschiedener Kultusministerien. Letztlich sollen die Ergebnisse in die Bildungskonzepte zur Umweltbildung einfließen. Vermutlich im Juni werde in Berlin eine Vorentscheidung getroffen.

Die Voraussetzungen seien auf Spasche ideal: In der so genannten „Farm-Schule“ führen die Schüler der 7. und 8. Klassen der Integrierten Gesamtschule projektorientierten Unterricht durch. Die Jugendlichen säen und ernten Nutzpflanzen aus dem Schulgarten, pflegen Nutztiere oder bereiten gemeinsam mit Hauswirtschafterin Babette Lönnecke gesunde Mahlzeiten zu. Im Sommer erhält die „Farm-Schule“ ein Treibhaus. Dort sollen drei Klimazonen anschaulich dargestellt und auch kulturelle Auswirkungen wie der Flüchtlingsstrom aus Afrika diskutiert werden. So könnten Schüler beispielsweise versuchen, mit nur einer Gießkanne Wasser pro Tag bestimmte Pflanzen überlebensfähig zu halten. Seidel: „Wir haben hier eine gute Möglichkeit, Schüler betroffen zu machen.“ Komplexe Inhalte würden leichter vermittelt.

Überregionale Partner

Ein besonders innovatives Element dieses Projekt sei der so genannte „Capability Approach“ – ein Konzept aus der Ökonomie, das der Darstellung und Messung der individuellen und gesellschaftlichen Wohlfahrt dient. Überlegungen, wie sich ein globaler Gerechtigkeitstransfer organisieren lässt, sollen im Lehrplan umgesetzt werden. „Spasche ist meines Wissens eine der wenigen deutschen Schulen, die mit Capability Approach arbeitet“, meint Seidel. Dies wiederum passe perfekt zum pädagogischen Rahmen der Salutogenese (Gesundheitsentwicklung) auf Gut Spascher Sand.

Um das Projekt Umweltbildung umsetzen zu können, habe die Privatschule diverse überregional agierende Partner gewonnen. Dazu gehören die Universitäten Oldenburg und Bremen, die Agentur Energiekonsens Bremen, das Landesinstitut für Schule (LIS) Bremen und der „LandWert-Hof“ Stahlbrode (Vorpommern). Und was passiert, wenn die beim Umweltministerium beantragte Förderung in Höhe von rund 600 000 Euro nicht fließt? „Wir wollen das Projekt in jedem Fall umsetzen“, kündigt Seidel an. Allein von den Vorarbeiten und der Vernetzung mit anderen Partner habe die Schule schon enorm profitiert. „Die Umweltbildung soll die Schüler kompetent fürs Leben machen.“

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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