WILDESHAUSEN - „Wir stehen in der Kirche und dann kommt so ein lauwarmes ,Credo‘ – da kann ich nichts mit anfangen.“ Walter Bialek ist streng. Der Einstieg in das Lied, das der Eltern-Lehrer-Schüler-Chor des Gymnasiums Wildeshausen demnächst aufführen wird, klingt für ihn noch zu schwach auf der Brust. Am Mittwoch, 16. Dezember, soll das anders sein: An diesem Tag steht in der St.-Peter-Kirche die erste Aufführung des Chores an. Die zweite folgt am 17. Dezember in der Alexanderkirche. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.
Rund 100 Sänger zwischen zwölf und 70 Jahren sitzen auf den Stühlen im Proberaum des Waltberthauses: Lehrer, Eltern und Schüler des Gymnasiums und einige Externe. Rund zwei Wochen vor ihrem ersten Auftritt arbeiten sie am letzten Feinschliff. Sie üben, das „Credo“ kräftig in den Raum zu schmettern und das „r“ richtig zu rollen. „Jetzt nur einmal sprechen – eins, zwei, drei, vier: Cre...“, macht Bialek vor, wie es klingen soll.
Nachwuchssorgen wie andere Chorleiter hat der Musiklehrer des Gymnasiums nicht. „Einer der kleinen Schlüssel zum Erfolg ist bestimmt, dass sich die Sänger nur für vier Monate binden müssen“, sagt Bialek. Der Chor gründet sich seit 2007 jedes Jahr nach den Sommerferien und löst sich nach Weihnachten wieder auf – die Sänger verpflichten sich also auf absehbare Zeit. Und vielleicht liegt es auch an Bialeks launiger Art, die Sänger anzuspornen, dass so viele von ihnen schon in den vergangenen zwei Jahren dabei waren. „Etwa 90 Prozent sind wieder da“, schätzt er. Für ihn seien die Proben eine „Endorphin-Ausschüttung“. „Und den Leuten macht es auch Spaß“, hofft er.
Zumindest scheinen die Sänger motiviert und lernwillig zu sein. Denn obwohl nur ein halbes Dutzend Chorerfahrung hat, klingt das a-capella-Programm mit Liedern wie „Gloria in excelsis Deo“ ziemlich professionell. Neben den A-cappella-Stücken wird der Chor mit Begleitung des Streichorchesters des Gymnasiums singen, das auch solo vorspielen wird. Das Streichorchester ist im Sommer aus der ersten Streicherklasse der Schule hervorgegangen, die für das fünfte und sechste Schuljahr angelegt war. 20 Kinder der jetzigen siebten Klasse machen in der Orchester-Arbeitsgemeinschaft weiter. Geleitet wird sie von Musiklehrerin Heidi Bovensmann sowie Christiane Rudolph von der Musikschule.
In diesem Jahr tritt der Eltern-Lehrer-Schüler-Chor übrigens zum vorerst letzten Mal unter der Leitung von Walter Bialek auf. Aus privaten Gründen werde er eine Pause einlegen, kündigt er an. 2010 muss also eine Vertretung gefunden werden.
