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Kulturkreis Mehr als „Luft, Sägemehl und Silikon“

WILDESHAUSEN - „Frag mich alles“, fordert sie ihn heraus. „Ist Schönheit wichtig?“, retourniert der Journalist. In die Welt des Scheins und Seins, der Halbwahrheiten und Legenden entführten die Vollblutschauspieler Julia Grimpe („Forsthaus Falkenau“) und Martin Lüttge („Tatort“) am Sonnabendabend auf der Bühne im Forum des Gymnasiums Wildeshausen. Das Stück „Das Interview“, zu dem der Kulturkreis Wildeshausen eingeladen hatte, bot kurzweilige Unterhaltung und kritische Einblicke in die Welt der Medien samt ihrer zynischen Gesetzmäßigkeiten.

Das Stück, eine Bühnenadaption nach dem gleichnamigen Kinofilm des ermordeten niederländischen Regisseur Theo van Gogh, scheint auf den ersten Blick schnell erzählt: Der politische Redakteur Peter Petersen muss das TV-Starlett Katja Sturmann interviewen. Dabei wäre er lieber vor Ort, als zeitgleich die Regierung zurücktritt. Es beginnt ein rhetorisches Duell, das in eine Spirale von privaten Bekenntnissen mündet. Er berichtet vom Tod der Tochter; sie von verletzten Gefühlen.

Die Sprache gleicht nicht selten den Schlagzeilen der Boulevardmedien. Und natürlich werden reichlich Klischees bedient. Er, der mutige Kriegsberichterstatter mit Narbe auf der Brust. Sie, die blonde Quoten-Queen aus BSDH („Blütenstaub der Herzen“) mit Silikonbusen, Kokainsucht und scheinbar wenig Köpfchen. „Nur Luft, Sägemehl und Silikon“ serviert sie dem Reporter eine sprachliche Steilvorlage auf dem Silbertablett. Beide erliegen ihrer gegenseitigen Verletzbarkeit („Narbe erkennt Narben“). Nach anfänglicher Verachtung steht am Ende ein Kuss, der die Zuschauer zum Staunen bringt.

Der gegenseitige Seelenstriptease mündet in ein „Tauschgeschäft“ über „dunkle Geheimnisse“: Nachdem der Reporter zuvor im Tagebuch geschnüffelt hatte, gibt sie eine Krebskrankheit zu. Er wiederum lässt zu, dass sein Mordgeständnis per Video aufgezeichnet wird. Der angeblich so seriöse Reporter kommt auf dem glatten Boulevard zu Fall.

Die Rollen sind vertauscht – eine Parabel auf die Manipulierbarkeit der Medien und das Inszenieren von Wirklichkeit. Noch zu Beginn des Stücks hatte der Zuschauer Katjas Bekenntnis „Das Leben besteht aus Schauspielerei“ wie selbstverständlich zur Kenntnis genommen. Am Ende erfährt er, dass das Starlett den Reporter quasi in der Hand hat. Doktor Faust und Mephisto lassen grüßen.

Die gut 90 Zuschauerinnen und Zuschauer im Forum des Gymnasiums spenden am Ende kräftigen Applaus. Das exzellente Kammerspiel hätte mehr Besucher verdient gehabt.

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http://www.kulturkreis-wildeshausen.de

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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