WILDESHAUSEN - „Ohne gute Mitarbeiter, die alle an einem Strang ziehen, schafft man das nicht“, sagt Evelyn Linnemann, Leiterin des Evangelischen Altenzentrums Alexanderstift. Die Wildeshauser Einrichtung ist vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geprüft worden. Die Qualität der stationären Pflegeeinrichtung wurde mit der Gesamtnote 1,1 bewertet. Am Freitag stieß das Team des Alexanderstifts auf das „Sehr gut“ an. Das Ergebnis spiegele auch die Wertschätzung für den Pflegeberuf wider.

Unangemeldet prüft der MDK einmal pro Jahr die Einrichtung. Die letzte Kontrolle war im Oktober 2008. Obwohl es damals noch keine Noten gab, war das Ergebnis ebenfalls sehr gut, berichteten Linnemann und die Pflegedienstleiterin Birgit Plath. Die Prüfung am 20. Januar 2011 sei in angenehmer Atmosphäre ver­laufen. Zufällig sei am gleichen Tag auch die Heimaufsicht im Haus gewesen. „Das war für uns Stress pur.“

Bei der MDK-Prüfung wurde die Pflege von acht Bewohnern beobachtet. Zusätzlich wurden vier Bewohner zu Kriterien wie „Entspricht die Hausreinigung Ihren Erwartungen?“ oder „Nehmen sich die Pflegenden ausreichend Zeit für Sie?“ befragt. Bei dieser Umfrage gab es sogar ein glattes 1,0 fürs Alexanderstift.

Die Prüfer des MDK konzentrierten sich auf die vier Qualitätsbereiche „Pflege und medizinische Versorgung“, „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“, „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“ sowie „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“. Die Spannbreite des 82 Punkte umfassenden Prüfbogens vom Umgang mit Medikamenten bis zur Diätkost, von Erste-Hilfe-Vorschriften bis zu Orientierungshilfen. Plath zufolge müssen die 85 Mitarbeiter der Einrichtung täglich den Spagat zwischen Pflegebett und notwendiger Dokumentation leisten. Die Bürokratie nehme stark zu.

„Grundsätzlich finden wir es gut, dass die Qualität der Pflege überprüft wird“, sagte Linnemann. Allerdings gebe es bisher kein einheitliches Verständnis darüber, was eine gute Versorgungsqualität beinhaltet. „Nur das, was dokumentiert wird, gilt als abgeleistet.“ Darum sei offenkundig das Ergebnis im Bereich „Pflege“ nur mit 1,3 ausgefallen, weil versäumt worden sei, eine Mundpflege detailliert zu dokumentieren. Um einheitliche Indikatoren für die tatsächliche Pflegequalität zu entwickeln, habe das Alexanderstift daher von 2008/10 an einem bundesweit durchgeführten Forschungsprojekt teilgenommen. Die Ergebnisse wurden den Bundesministerien Gesundheit und Familie/Senioren übermittelt. Linnemann: „Wir hoffen nun, dass das ein oder andere Ergebnis Umsetzung findet.“

Das Alexanderstift wurde als letzte stationäre Wildeshauser Pflegeeinrichtung auf ihre Qualität überprüft. Für das Pflegezentrum Johanneum gab es die Gesamtnote 2,1, für das „Haus Raphaele“ 2,0, das „Atrium am Wall“ 1,4, das „Landhaus Nelkenstraße“ eine 3,0 und das Kreisaltenheim die Note 1,2.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent