WILDESHAUSEN - 49 französische Schüler aus Loué halten sich derzeit zusammen mit ihren Lehrern in der Nachbargemeinde Harpstedt auf. Der Besuch hat sie jedoch nicht gehindert, sich über die Präsidentenwahl in ihrer Heimat zu informieren. Die meisten haben noch am Sonntagabend mit ihren Eltern telefoniert oder im Internet nachgeschaut. Auch aus der Nordwest-Zeitung haben sie vom Sieg des Sozialisten François Hollande erfahren.
Der 13-jährigen Morgane ist es egal, wer Präsident ist: „Hauptsache, er regiert das Land gut.“ Die Jugendlichen seien in einem Alter, in dem man eine eigene Meinung habe, meint die Schülerin; wählen dürften sie allerdings nicht. Andere sind unzufrieden, sie hätten lieber Sarkozy als Sieger gesehen. „Ich finde er ist ehrlicher. Hollande kann man nichts glauben“, meint Joachim. Der 13-Jährige findet, dass sich Sarkozy mehr für die Belange der „kleinen Leute“ interessiere. Reden könne der bisherige Präsident auch besser als sein Nachfolger Hollande. Außerdem hätten sie Angst, der neue Präsident wolle ihnen zwei Wochen Schulferien streichen.
Lehrerin Sylvie Térouanne, die seit 42 Jahren am Austauschprogramm zwischen Harpstedt und Loué beteiligt ist, durfte im Gegensatz zu ihren Schülern mit entscheiden. Beim ersten Wahlgang habe sie noch selbst gewählt, bei der Stichwahl musste sie eine Vollmacht ausstellen. Briefwahl ist in Frankreich nicht möglich. „Ich hoffe, dass sich jetzt etwas im Bildungssystem ändert“, erzählt sie. Zwar habe Hollande sie nicht überzeugt, doch Sarkozy hätte sie als Präsidenten nicht noch einmal haben wollen. Die Hochrechnungen habe sie in den deutschen Fernsehnachrichten gesehen.
Auch ihre Kollegin Evelyne Dubois ist weitgehend zufrieden mit dem Ausgang der Stichwahl. Ihre Stimme habe ihr Sohn für sie abgegeben. An große Veränderungen glaube sie zwar nicht, sie hoffe aber auf etwas mehr Freiheit.
Hans Braun vom Partnerschaftskomitee Wildeshausen-Evron hat bereits im Vorfeld mit französischen Freunden aus der Partnerstadt gesprochen: „Die waren alle ganz heiß auf die Wahl. Viele unserer Bekannten sagen, dass es gut sei, wenn mal ein neuer Präsident dran kommt.“
