WILDESHAUSEN/SANAA - Die Wildeshauser verschafften sich einen Eindruck vom Gesundheitszustand der Kinder. Sie waren im Johanneum behandelt worden.

Von Stefan Idel

WILDESHAUSEN/SANAA - Mit einer „Schnitzeljagd“ vergleicht Dr. Reinhard Gehring die Suche nach einem Jungen in der Zwei-Millionen-Stadt Sanàa: Weil es in der Hauptstadt des Jemen keine Straßennamen und Hausnummern gibt, wandte sich der Wildeshauser an die örtliche Polizei, um Shamsan zu finden. Viele Menschen strömten ins Polizeibüro, um sich das Bild des Jungen anzusehen. Schließlich erinnerte sich ein Mann, dass Shamsans Onkel auf einem Markt arbeite. Die Polizei suchte die Märkte ab und machte den Mann ausfindig. Der Onkel habe dann am nächsten Tag Shamsan in die Praxis von Dr. Ali A. Al-Zakami – er arbeitet mit der Ärzteorganisation Hammer Forum zusammen – geschickt. Gehring: „Shamsan kam. Und keiner konnte die Freudentränen aufhalten.“

Diese und andere beeindruckende Erlebnisse schildern Gehring und Souraya Debbeler von ihrer Reise Anfang März nach Ostafrika. Sie wollten Shamsan (15) und Awatef (4) wiedersehen, die nach der Behandlung im Krankenhaus Johanneum (die NWZ berichtete mehrfach) in die Heimat zurückgekehrt waren. „Beiden geht es gut“, bestätigten Debbler und Gehring. Die Suche nach der kleinen Awatef sei sogar noch schwieriger gewesen, da ihre Familie in einem Dorf, 300 Kilometer von Sanàa entfernt, lebe. Nach eindringlicher Überredung kam der Vater schließlich mit dem Mädchen in die Metropole. „Sie konnte, im Gegensatz zu Shamsan, kein Deutsch mehr“, erzählt Debbeler. Aber an Namen wie „Jasmin“ (Debbelers Tochter) oder „Britta“ konnte sie sich erinnern. Leider sei Awatef unterernährt gewesen. Da sich die Familie eine Ausbildung für das Mädchen nicht leisten kann, haben Gehring und Debbeler ein Konto in Sanàa eingerichtet, für das nur Dr. Ali eine Vollmacht besitzt.

Shamsan, der einmal Arzt werden möchte, sei dagegen ein guter Schüler. Die Wildeshauser besuchten nicht nur seine Schule, sondern waren auch Gast der Familie: „Sie haben nichts, aber geben alles“, lobte Debbeler die große Gastfreundschaft. Die ungeheure Dankbarkeit für die Behandlung in Deutschland sei fast unvorstellbar gewesen.