WILDESHAUSEN - Christa Plate empfing die Spanier gestern im Rathaus. Sie legten den Wildeshauser Meisterbrief ab.

Von Ulrich Suttka

WILDESHAUSEN - Die können kein Deutsch, denn dieses Fach wird an ihrer Gesamtschule in Madrid nicht unterrichtet. Die Wildeshauser Gastgeber lernen erst seit eineinhalb Jahren Spanisch in der Oberstufe des Wildeshauser Gymnasiums. Und doch ist die Kommunikation kein Problem. „Spanglisch“, nennt Lehrerin Irene Lückert lachend den Mix aus Spanisch und Englisch.

Seit Donnerstag hat das Gymnasium inzwischen zum vierten Mal eine Austauschgruppe mit elf Madrider Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren für eine Woche zu Gast. Gestern empfing die Stadt Wildeshausen die Südeuropäer im historischen Rathaussaal. Neben der Begrüßung durch die stellvertretende Bürgermeisterin Christa Plate erwartete sie der Wildeshauser Meisterbrief. Gästeführerin Waltraud Förster betreute sie bei der Bewältigung von Aufgaben wie dem Tragen von Wassereimern und dem Nageln von Schuhsohlen.

Plate hatte für die Spanier und deren Englisch-Lehrer Oscar Garcia das Töpfer-W als Geschenk parat. Sie hoffte, dass die Madrilenen ganz, ganz viele Erinnerungen an Wildeshausen mitnehmen können, „nicht nur an das norddeutsche Schmuddelwetter“. Schon der Hinflug dürfte ihnen unvergessen bleiben: Es war der Tag der Orkans, und die Maschine schwankte in der Luft, als sie sich dem Flughafen Münster-Osnabrück näherte.

Seitdem haben die Spanier ein stattliches Programm erlebt. Neben dem Leben in einer deutschen Familie und Teilnahme am Unterricht ging es zum Eislaufen nach Bremen, sie machen die Stadtrallye in Wildeshausen, erleben das Museumsdorf Cloppenburg und vieles mehr, berichtet Lehrerin Ina Franz.

„Die Gastfreundschaft meiner Familie ist sehr groß. Ständig werde ich gefragt, ob ich noch etwas brauche“, erzählte Cristina (15), gefragt nach ihren ersten Eindrücken. Anna, ebenfalls 15, verblüffte bisher am meisten, dass man Fahrräder draußen kurz stehen lassen könne, ohne dass sie gleich weg seien. Ricardo (14) verwunderten die wesentlich früheren Essenszeiten als in seiner Heimat. Da stehe erst gegen 14.30 Uhr das Mittagessen auf dem Tisch, das Abendessen gegen 21 Uhr. Daniel (15) gab sich galant: Die deutschen Mädchen seien „sehr hübsch“, verkündete er.

Die Gäste besuchen eine katholische Ordensschule in einem Randbezirk Madrids, die von Nonnen geleitet wird. Im November startet wieder eine Wildeshauser Gruppe nach Madrid.