Wildeshausen - Ja, es wurden Tränen vergossen, es steckten Frösche im Hals und dem ein oder anderen zitterten schon mal die Knie: Emotional gestaltete sich die Schulentlassungsfeier der zehnten Klassen der Realschule Wildeshausen am Freitagvormittag in der Aula.
Großen Anteil daran hatte Rektor Jan Pössel, der in seiner Ansprache die Bedeutung menschlicher Wertschätzung und Nähe hervorhob. Um das zu verdeutlichen, zeigte er einen kurzen Film, der anlässlich des „World’s Biggest Eye Contact Experiments“ gedreht wurde. Dabei schauten sich Menschen weltweit jeweils eine Minute lang ungestört in die Augen, fingen dabei oft an zu lächeln, bekamen Tränen der Rührung oder nahmen sich spontan in die Arme.
Achtsamkeit
„In unserer heutigen Zeit fehlt häufig diese tiefergehende Verbindung. Ich wünsche euch, liebe Zehntklässler, von Herzen, dass ihr stets achtsam seid, um diese tiefergehende Verbindung zu finden“, appellierte Pössel an die Absolventen und fragte sie zugleich, ob sie die Augenfarbe der Person kennen, neben der sie das letzte halbe Jahr im Unterricht gesessen haben.
Eingeleitet hatte Pössel seine Rede übrigens ebenso wie zuvor bereits Elternratsvorsitzende Maren Becker-Jäschke mit der Erinnerung an den ersten Schultag der scheidenden Zehntklässler am 23. August 2008. „Ihr könnt unheimlich stolz sein auf das, was ihr seitdem erreicht habt“, lobte Becker-Jäschke die 136 Absolventen von denen 57 – das sind 43 Prozent – sogar den erweiterten Sekundarabschluss haben.
Nur gute Erinnerungen an seine Realschulzeit hat nach eigenem Bekunden auch Bürgermeister Jens Kuraschinski, dessen Abschluss inzwischen 29 Jahre zurückliegt. „Die jahrelange Arbeit hat sich für euch gelohnt. Ihr habt ein erstes großes Lebensziel erreicht, auf dem ihr nun aufbauen könnte“, appellierte er an die Schüler.
An der Uhr gedreht
An Schülersprecher Hardy Niester war es, die Erinnerungen an lustige Klassenfahrten, das legendäre „Revolverheld“-Konzert oder „gute Noten bzw. wenigstens keine Fünf“ zu wecken. Nicht nur ihm kam es dabei so vor, als ob jemand an der Uhr gedreht habe. Allzu schnell sei die gemeinsame Zeit vergangen.
Eindrucksvoll gestaltete sich anschließend der Marsch der fünf zehnten Klassen auf die Bühne, wo die Zeugnisse überreicht wurden. Fünf Absolventen wurden aufgrund ihrer Leistungen besonders geehrt. Bester Schüler mit einem Notendurchschnitt von 1,79 war Bela David Maurer. Auf eine glatte 2,0 kamen Marie Bahr, Inka Hökendorf, Niklas Gammersbach und Julia Nguyen.
Zusammen perfekt
Dass die Realschüler nicht nur klug, sondern auch musikalisch sind, wurde bei der Abschlussfeier ebenfalls deutlich. So überzeugten Luis Wintermann und Julien Hagelmoser mit „Megalovania“ als Duett am Klavier, während Celina Gnade und Marie-Christin Klatt „Chasing Cars“ sangen. Ebenfalls stimmstark zeigten sich Violetta Schneider, Lucia Othold und Nadine Lipski, die mit Unterstützung von Musiklehrerin Lena Kalvelage „Lost Boy“ interpretierten. Härter ging es beim Auftritt der Schulband zur Sache, die „21st Century Digital Boy“ zum Besten gab.
Besonders lautstarken Applaus erntete Lars Osterloh, der am Klavier zunächst „Lay Me Down“ spielte und sang, bevor er seinen eigenen Song „Zusammen perfekt“ performte.
„Kennen Sie nun die Augenfarbe Ihres Sitznachbarn?“, fragte Pössel zum Abschied. Wer das nicht bejahen konnte, blickte spätestens jetzt dem anderen tief in die Augen.
