WILDESHAUSEN - Polizei und Elternverteter erhoffen sich ein Absinken des Autoverkehrs an den Schulen. Das Selbstbewusstsein der Kinder werde gestärkt.
Von Stefan Idel
Wenn die „Elterntaxis” morgens ihre Kinder zur Schule bringen und mittags wieder abholen, herrsche in der St.-Peter-Straße ein wahres Verkehrschaos, hat Stephan Rollié, Vorsitzender des Elternrates der Wildeshauser St.-Peter-Grundschule, beobachtet. „Bei einer Verkehrszählung an der Wallschule haben sich von 100 Autofahrern 32 verkehrswidrig verhalten“, pflichtet ihm Frank Gebken vom Elternrat der Wallschule bei. Petra Debbeler, ebenfalls vom Elternrat der Wallschule, ist aufgefallen, dass gern die Bushaltestelle zum Parken genutzt wird. Der Sicherheit der Schüler diene das nicht – im Gegenteil. Daher wollen die Elternräte der Wallschule, der St.-Peter-Schule, der Holbeinschule sowie der Hunteschule bereits zum neuen Schuljahr das Projekt „Schulexpress“ in der Kreisstadt umsetzen.
Ziel sei es, dass die Mädchen und Jungen den Weg zu den Grundschulen in Kleingruppen gemeinsam zurücklegen. Dafür treffen sie sich an leuchtend blauen „Schulexpress“-Schildern, die noch aufgestellt werden sollen. Mindestens fünf Treffpunkte pro Schule seien erforderlich, sagt Rollié unter Hinweis auf die Erfahrungen in anderen Kommunen. Die Eltern bringen ihre Kinder zu den Haltestellen; von dort haben die Jugendlichen einen maximalen Fußweg von zehn bis 15 Minuten zur Schule. Parken und Rangieren vor den Schulen wird vermieden; zudem verteile sich der morgendliche Verkehr auf einzelne Stadtviertel. Ab der „Schulexpress“- Haltestelle können entweder ältere Kinder die jüngeren führen oder die Kinder gehen in Kleingruppen selbst los. Politik und Verwaltung hätten Unterstützung signalisiert, sagte Rollié, der selbst Mitglied im Schulausschuss ist.
Auch das Präventionsteam der Polizei werde das Projekt begleiten, sagte Verkehrssicherheitsberater Rolf Quickert zu. Er wies auf die sozialen Aspekte des „Schulexpress“ hin. Kinder, die zur Schule laufen, seien ausgeglichener und gesünder. Außerdem sei die Konzentrationsfähigkeit im Unterricht größer. „Wenn Kinder ihren Schulweg allein zurücklegen, fördert dies das Selbstbewusstsein“, sagte Quickert.
Vor der Umsetzung des Projekts steht aber noch eine Menge Arbeit für die Elternvertreter an. Etwa 900 Fragebögen werden an Schulen und Kindergärten verteilt. Denn vor allem die künftigen Erstklässler sollen für das Projekt gewonnen werden, ergänzte Debbeler. Auf einer Kopie des Stadtplans sollen die Eltern den geplanten Schulweg skizzieren. Ende des Monats sollen die Fragebögen eingesammelt und dann ausgewertet werden. „Wenn nur 20 bis 30 Prozent der Schüler mitmachen, wäre das ein Risengewinn“, meint Rollié.
