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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Ein halbes Jahrhundert Ameland

21.08.2019

Wilhelmshaven /Ameland Was macht Wilhelmshaven eigentlich aus? Natürlich ist da die Marine, die aus Wilhelmshaven nicht wegzudenken ist. Ebenso der Jade-Weser-Port. Es gibt die Konzertreihe „Mittwochs am Pumpwerk“, und das vor kurzem veranstaltete Streetart-Festival. Für mich, einer gebürtigen Wilhelmshavenerin, ist die grüne Stadt am Meer aber noch mehr: Nämlich der Ort, an dem ich lernte was es bedeutet, ehrenamtlich zu arbeiten und sich in Wilhelmshaven sozial zu engagieren.

Dafür verantwortlich ist das katholische Jugendteam Wilhelmshaven. Eine Organisation in kirchlicher Trägerschaft, der Jugendliche aus Wilhelmshaven ab 15 Jahren beitreten können, um sich unentgeltlich selbst kreativ für andere Kinder und Jugendliche einzusetzen und ihnen tolle Freizeitangebote zu bieten. Dazu gehören Tages- oder Wochenendausflüge ebenso, wie mehrwöchige Ferienlager in den Sommerferien. Es gibt die Fahrt ins Zeltlager, eine Kanutour durch Schweden und die Freizeit auf Ameland, einer idyllischen Insel in den Niederlanden. In diesem Jahr feiert die Ameland-Freizeit ihr 50-jähriges Bestehen.

Schon als Kind, damals muss ich neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, nahm ich selbst erstmals als Teilnehmerin an einer Aktion des Jugendteams teil. Einer Übernachtung im Gemeindehaus der ehemaligen Kirche St. Michael, die 2013 säkularisiert wurde. Noch gut erinnere ich mich an die Spiele, die sich die damaligen Betreuer des Jugendteams für uns – ich schätze, wir waren um die 30 oder 40 Kinder – überlegt hatten. Und selbstverständlich auch an den Spaß, den ich hatte.

Meine Begeisterung für Veranstaltungen des Jugendteams gipfelten schließlich im Sommer 2000 in meiner ersten Ameland-Freizeit. Damals noch als Kind dabei, rannte ich Fangen-spielend durch den Neser Wald, stürzte mich in die wunderbar hohen Wellen im Meer und gab mein Taschengeld mit Freuden für Eis und die typischen Ameländer Presspommes aus.

Todesmutig im Wald

Doch besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Nachtwanderung. In kleinen Gruppen und mit jeweils einem Betreuer, um den wir uns alle ängstlich scharten, wagten wir uns todesmutig in den Neser Wald. Hinter jedem Baum vermuteten wir ein Gespenst – manchmal auch zu recht – und weckten mit unseren Schreien bestimmt so manch schlafendes Tier. Das erste Mal so richtig gruseln und sich hinterher stolz wie Bolle über das Erlebte mit Freunden austauschen, war nicht nur für mich ein ganz besonderes Gefühl. Spätestens, als ich nach den zwölf Tagen mit leuchtenden Augen aus dem Reisebus stieg und meinen Eltern in Wilhelmshaven begeistert von dem Erlebten erzählte, war ich Jugendteam- und Ameland-Fan.

Mir war allerdings klar, dass ich nicht ewig als Teilnehmerin bei den bunten Aktionen mitmachen konnte. Deshalb freute ich mich umso mehr, als einige Jahre später, im Jahr 2004, die Anfrage kam, ob ich als Betreuerin mit nach Ameland fahren wollte. Damals war ich 15 Jahre alt.

Seitdem bin ich Teil des Wilhelmshavener Jugendteams. Gemeinsam mit den anderen Ehrenamtlichen, die schnell zu Freunden wurden, organisieren wir seitdem Fußballturniere für Kinder, gemeinsame Bastelaktionen, Tages- oder Wochenendausflüge und natürlich die großen Ferienfreizeiten.

Mein ganz besonderes Highlight ist und bleibt aber die Ameland-Freizeit. Seit nun schon 15 Jahren begleite und organisiere ich diese gemeinsam mit den anderen Betreuern jedes Jahr immer wieder gerne.

Planung ist alles

Wie auch die anderen großen Ferienaktionen benötigt die Ameland-Freizeit einiges an Vorbereitung. Die Planung beginnt schon früh. Bereits im Dezember des Vorjahres wird ein Betreuerteam zusammengestellt. Dann geht es ans Programm. Zwölf Tage verbringen Kinder und Betreuer in den Sommerferien auf der holländischen Insel. Zwölf Tage, die für die Dritt- bis Fünftklässler bereits von Wilhelmshaven aus mit Leben gefüllt werden müssen. Die Disco gehört ebenso zum Programm, wie der Casino-Abend, bei dem die Kinder ihr Spielgeld verzocken und sich die Betreuer in elegante Casino-Mitarbeiter verwandeln. Übrigens genau so, wie Scrabble spielen im Wald oder die morgendlichen Tagesrätsel, bei denen die Kinder ihr Wissen über die Insel unter Beweis stellen können.

Verkleidet unterwegs

Besonders auf das Verkleidungsspiel – hier laufen Betreuer verschiedener Ferienlager verkleidet durch die Ameländer Stadt Nes und müssen von den Kindern ihres Lagers gefunden werden – und auf den Aktionstag freue ich mich jedes Jahr. Letzterer ist unser Motto-Tag, der von morgens bis abends unter einem bestimmten Thema steht. So führte ich als Cowgirl bereits einen gut laufenden Saloon, strandete als Alien im Betreuerbad unseres Ferienhofes oder versuchte als Lady Marian, Robin Hood vor dem Gefängnis zu bewahren.

In diesem Jahr begaben wir uns auf Zeitreise in die 20er Jahre – natürlich ebenfalls entsprechend verkleidet. Hier mussten uns die Kinder helfen, den rechtmäßigen und leider verschollenen Erben eines Casinos ausfindig zu machen. Mit Erfolg. Die Aufklärung des Falls feierten wir am Abend beim leckeren Grillen.

Bald wieder unterwegs

Nach Ameland ist vor Ameland. Und so verlasse nicht nur ich die Insel jedes Jahr mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass es auch den anderen Betreuern genau so geht. In diesem Jahr fiel der Abschied allerdings nicht ganz so schwer. Bereits im September werden wir für ein Wochenende auf die Insel zurückkehren. Dann aber ohne Kinder. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der Ameland-Freizeit, dass wir mit allen aktiven und ehemaligen Ameland-Begeisterten aus Wilhelmshaven feiern wollen. Was uns dort im September erwarten wird, weiß ich noch nicht. Dieses Mal haben ausnahmsweise andere die Planung übernommen.

Für mich ist die Arbeit im Jugendteam eng mit Wilhelmshaven verknüpft. Unser Ziel ist es, wilhelmshavener Kindern tolle Erlebnisse zu ermöglichen, sie sinnvoll zu beschäftigen und sie möglicherweise ebenso für die ehrenamtliche Arbeit in Wilhelmshaven zu begeistern, wie es bei mir der Fall war. Natürlich werden häufig Stimmen laut, dass die Jadestadt Kindern nichts zu bieten hat. Dem kann ich aus eigener Erfahrung jedoch nur widersprechen.

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Svenja Gabriel-Jürgens Volontärin, 1. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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