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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Azubis in Gesundheitsberufen fordern Gerechtigkeit

07.06.2019

Wilhelmshaven Es ist für sie eine schreiende Ungerechtigkeit. Die 19-jährige Oldenburgerin Lina Achnitz hat im September 2018 eine Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Sie besucht dafür die Loges-Schule Nordsee in Wilhelmshaven. In Lina und ihren 22 Klassenkameraden/Mitauszubildenden brodelte es, als sie am Dienstag in der NWZ vom dem Beschluss des Landeskabinetts lasen, dass die Gesundheitsfachberufe in Niedersachsen künftig vom Schulgeld befreit werden – genauer gesagt geht es um die Eckpunkte. Denn der Beschluss gilt nur für jene, die ihre Ausbildung zum Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten oder Podologen ab diesem August beginnen. Auszubildende, die bereits im März 2019 gestartet sind, sollen 2020 rückwirkend gebührenfrei gestellt werden.

Damit bleiben Lina Achnitz und ihre Mitschüler, die kurz vor dem Abschluss des ersten Lehrjahres stehen, außen vor und müssen auch weiterhin Schulgeld zahlen. „Wir fühlen uns benachteiligt. Es entsteht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagt die 19-Jährige, die daher am Mittwoch gemeinsam mit ihrer Klasse eine Petition „Gleichberechtigung für Therapieberufe“ im Internet gestartet hat. „Mit dieser Petition wollen wir dazu aufrufen, dass das Land Niedersachsen und unser Ministerpräsident Herr Weil das Schulgeld auch für die momentanen Auszubildenden der öffentlichen sowohl auch der Privatschulen erlässt. Wir fordern Gleichberechtigung für alle Therapeuten!“, schreiben die Auszubildenden auf der besagten Internetseite. Eine Rückerstattung fürs erste Lehrjahr fordern sie nicht.

Mehr als 12 000 Euro

Die Gesundheitsfachberufe bekämen in ganz Deutschland schon seit Jahren nur geringe Wertschätzung im Hinblick auf die Leistung, die erbracht werde, so die Schüler weiter. „In den Ausbildungsstätten fehlt die finanzielle Förderung, aber auch die Vergütung im späteren Berufsleben ist gering. Die Bedeutung und Notwendigkeit der Berufe wie Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Podologie steigt in unserer Gesellschaft an. Wir haben die Ausbildung begonnen, obwohl uns bewusst war, dass einige Kosten auf uns zukommen, da wir Menschen helfen wollen“, betonen die Auszubildenden. „Es ist eine tolle Ausbildung“, findet Lina Achnitz grundsätzlich.

Doch Motivation allein reicht nicht. Die Kosten für die dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten/zur Physiotherapeutin zu stemmen ist eine große Herausforderung. 320 Euro an Schulgeld bezahlt Lina pro Monat. Dazu kommen halbjährlich noch ein Versicherungsbeitrag und natürlich die Lernmittel-/Materialkosten. Zusammen wird die 19-Jährige in den drei Ausbildungsjahren mehr als 12.000 Euro bezahlen müssen. Vier Mitauszubildende aus ihrer Klasse hätten bereits aus Kostengründen die Ausbildung abgebrochen, schildert die Oldenburgerin. Eine Mitschülerin sei sich noch unschlüssig, ob es für sie weiter geht, ein Mitschüler habe sich nach reiflicher Überlegung entschlossen, die Ausbildung fortzusetzen. Beide hatten zur Finanzierung einen Kredit aufgenommen.

Praxen unterstützen

Lina Achnitz brachte den besagten NWZ-Artikel am Dienstagmorgen mit in ihre Klasse. Schnell war der gemeinsame Entschluss gefasst, eine Online-Petition aufzusetzen. In engem Kontakt stehe man diesbezüglich auch mit den Ludwig-Fresenius-Schulen Oldenburg und Schulen in Weyhe und Osnabrück. Zudem hat die Wilhelmshavener Klasse in Therapiepraxen in Wilhelmshaven, Varel und Oldenburg Aushänge platziert, um auf ihre Petition aufmerksam zu machen. „Die Praxen kamen uns dabei sehr entgegen. Viele Mitarbeiter haben die Petition unterschrieben und auf Facebook geteilt“, freut sich die 19-jährige Auszubildende.

553 Unterstützer (472 aus Niedersachsen) hat die Online-Petition seit Mittwoch bereits gefunden (Stand Donnerstagabend). Ein halbes Jahr soll sie laufen. Als Ziel hatte sich die Klasse ursprünglich 50.000 Unterstützer gesetzt, berichtet Lina Achnitz. Doch man würde sich schon freuen, wenn sich mehr als 5000 Befürworter fänden.


Die Petition ist zu finden unter   bit.ly/petition-schulgeldbefreiung 
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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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