WILHELMSHAVEN/VAREL - „Jeder Kindergarten und jede Schule müssten über eine Integrationsgruppe- beziehungsweise Integrationsklasse verfügen!" Dafür machen sich die dreizehn Eltern und Mitglieder der Kontaktgruppe Down-Syndrom Wilhelmshaven-Friesland, wozu auch Varel und Jever gehören, stark. Wo diese Einrichtungen fehlten, so die Eltern, könnten zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern weniger soziale Kontakte hergestellt werden.

„Wo, wenn nicht im Zusammenleben mit unseren Down-Syndrom-Kindern, sollen denn nichtbehinderte Kinder sonst lernen, Rücksicht auf Schwächere zu nehmen", fragen die betroffenen Eltern. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. Chromosom dreifach vorhanden. Jährlich am 21. März findet der Welt-Down-Syndrom-Tag statt. An diesem Aktionstag wird weltweit mit verschiedenen Aktionen auf das Down-Syndrom aufmerksam gemacht. Die Kontaktgruppe aus Friesland beteiligt sich an einer Poster-Aktion des Down-Syndrom-Infocenters und wird an diesem Tag einen Ausflug mit den Kindern machen.

Bärbel Kahl und Marion Kruse erleben tagtäglich wie viel Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit aber auch Konsequenz sie in der Erziehung ihrer behinderten Töchter Rowena (siebeneinhalb Jahre) und Lara (fünfeinhalb Jahre) benötigen. Für die Eltern von betroffenen Kindern ist die wichtigste Regel im Umgang mit ihren Kindern: „Möglichst normal mit der Situation umgehen.“ Ihre Töchter haben eine „Behinderung und leiden nicht an einer Krankheit“, betonen die beiden Frauen im Gespräch über das Familienleben mit einem Down-Syndrom-Kind.

„Bis zum Kindergartenalter verläuft alles relativ normal, schwieriger wird es, wenn die Schulpflicht beginnt.“ Bärbel Kahl machte gerade die ersten Schwierigkeiten mit ihrer siebenjährigen, also schulpflichtigen Tochter Rowena durch: „Im Gegensatz zu den Kindergärten mit ihren Integrationsgruppen gibt es lediglich eine Schule in Wilhelmshaven, die eine Integrationsklasse für behinderte und nichtbehinderte Jungen und Mädchen eingerichtet hat. Wohnortnahe Einzelintegration an Regelschulen ist leider noch keine Selbstverständlichkeit.

Nur mit Hilfe der Integration auch in den Schulen blieben die Kinder „so gut drauf, wie sie zu Hause sind“, sorgen sich Bärbel Kahl und Marion Kruse um die Lebensfreude und die selbstverständliche Einbeziehung ihrer behinderten Kinder in die Gesellschaft. Dabei dürfe es keine Rolle spielen, dass ihre Töchter „ihr ganzes Leben lang ein Stück in ihrer Entwicklung zurückbleiben".

Marion Kruse betont, für Lara würde daheim „keine Extrawurst gebraten, nur weil sie das Down-Syndrom hat“, was schon Laras Bruder Lukas (acht) gegenüber „unfair“ wäre. Wie gut Lara, Rowena und Lukas drauf sind, lässt sich beim gemeinsamen Spiel mit Orffschen Instrumenten im Kinderzimmer des erst vor wenigen Monaten bezogenen neuen Hauses der Familie Kahl in Ostiem beobachten: Es geht laut, fröhlich und unübersehbar harmonisch zu. Das Ehepaar Kahl hat bei der Planung ihres neuen Wohnhauses die Zukunft von Rowena berücksichtigt: „Sie wird sicherlich ihr ganzes Leben mit uns zusammen verbringen, darum haben wir für sie eine eigene Wohnung vorgesehen.“

Marion Kruse, die einen ansteckend fröhlichen Optimismus ausstrahlt, liebt ihre kleine Lara von ganzem Herzen und lässt sie nicht einen Moment aus den Augen. Und doch sagt sie: „Ich darf ihr nicht alles im Leben abnehmen, sie muss sich auf ihre Weise weiterentwickeln können und bewusst leben."

Bärbel Kahl erinnert sich im Gespräch an den Moment, als sie und ihr Mann von der Behinderung und dem Herzfehler ihrer Tochter erfuhren: „Wir waren am Boden zerstört.“ Anders Marion Kruse, sie und ihr Mann hätten sich bei der ärztlichen Diagnose gesagt, „wir werden Lara mit Behinderung genauso lieben wie Lukas.“

Die Behinderung ist keine

Krankheit