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Von Karsten Röhr
Frage:
Worin unterscheidet sich die Wallschule in dem Test von anderen Schulen?
Hornbostel:
Eins fällt auf: Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, schneiden bei uns klar besser ab.
Frage:
Woran liegt’s?
Hornbostel:
Die Ausländerquote lag in den beiden dritten Klassen mit insgesamt 40 Schülern bei etwa 20 Prozent. Für mich heißt das, dass sie gut integriert sind und keine schlechteren Bildungs-Chancen haben.
Frage:
Welche Rolle spielt die Höhe des Anteils?
Hornbostel:
Bei uns stimmt die Relation. In manchen anderen Grundschulen, wo der Anteil höher ist, bilden zum Beispiel Türken eine Gruppe in der Gruppe und sprechen nur türkisch miteinander. Hier orientieren sie sich an den deutschen Kindern. Sobald zuviele Ausländerkinder in der Klasse sind, werden ihre Leistungen schlechter.
Frage:
Aber ihr Ergebnis war für alle Kinder gut.
Hornbostel:
Ja, das liegt zum einen an engagierten Lehrkräften, die die Forder- und Förderbedürftigkeit erkennen – einschließlich bayerischen Lesetests, Vorlesen im Kindergarten Blumenstraße und Beteiligung am Verbund Hochbegabung. Wir reizen die Kinder aus und halten das Anspruchsniveau hoch – wie Kant gesagt hat: Ich kann, weil ich will, was ich muss.
Frage:
Haben Sie keine Angst vor Überforderung?
Hornbostel:
Die Kinder haben soviel Potenzial in dem Alter und wir haben viele bildungsorientierte Eltern, die das begleiten. Das hat nichts mit der Schicht zu tun und meint auch nicht jene übermäßig leistungsorientierten Eltern, die ihre jetzt noch vierjährigen Kinder schon fürs nächste Schuljahr anmelden.
Frage:
Sie sind als eine von sechs Grundschulen noch Volle Halbtagsschule. Spielt das eine Rolle?
Hornbostel:
Es hat sich sicher ausgezahlt, dass wir gerade in der Klasse 1 mit 28 Unterrichtsstunden mehr Lernzeit hatten. Sonst sind es 20 Stunden für die Kleinen, dann beginnt die Betreuung. Wir kämpfen jetzt, dass wir das behalten.
Irmgard Hornbostel ist Leiterin der Wallschule, die beim landesweiten Deutschtest für dritte Klassen hervorragend abschnitt.