Friesoythe - „Es ist ja schon etwas erstaunlich, dass hier Schulen nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit beurteilt werden. Ich kenne keine öffentliche Schule die wirtschaftlich ist, keine große und keine kleine. Wenn das der Maßstab ist, müssten wir gleich alle Schulen schließen, aber das kann ja ernsthaft niemand wollen“, reagierte Friesoythes Bürgermeister Johann Wimberg auf eine Ankündigung des Landesrechnungshofes, dass mehr als 50 niedersächsische Grundschulen auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft und dann Empfehlungen über mögliche Schließungen oder Fusionen herausgibt. Unter die Lupe genommen werden sogenannte Zwergschulen, also Grundschulen mit unter 50 Schülern. Im Stadtgebiet Friesoythe befinden sich drei Schulen in städtischer Trägerschaft, die in diese Kategorie fallen: Hohefeld, Thüle und Neuvrees.

„Bildung kostet Geld und es ist gut, wenn die Öffentlichkeit erfährt, dass wir uns dies eine Menge Kosten lassen“, sagte Wimberg. Daher könne er der Untersuchung des Landesrechnungshofes durchaus auch etwas Positives abgewinnen. Ob das allerdings eine Basis für politische Entscheidung sei, bleibe abzuwarten.

Die Kommunalpolitik habe stets das Ziel verfolgt, möglichst lange eine wohnortnahe Beschulung der Grundschüler zu gewährleisten. Daher habe die Stadt Friesoythe insgesamt elf Grundschulen, „von denen einige extrem klein sind“, so Wimberg, „die Zahl der Grundschulen ist gemessen an unserer Einwohnerzahl enorm hoch und ich kenne auch keine andere ähnlich große Stadt mit vergleichbaren Strukturen.“ Die Flächengröße der Stadt finde hier ihren Niederschlag. Daher sei man auch sehr zurückhaltend, wenn es um das Thema von möglichen Schulschließungen und Fusionen von Grundschulen gehe. Bei weiter zurückgehenden Schülerzahlen werde man sicherlich schauen müssen, wie es weitergehen könne. „Doch solange die pädagogische Ausstattung von Seiten des Landes gesichert ist, wird sich auf kommunaler Ebene bei uns keiner ohne Not den ,schwarzen Peter’ für Schulschließungen zuschieben lassen.“

Wenn die Fraktionen im Stadtrat das Thema allerdings beraten möchten, nehme der Bürgermeister den Punkt jederzeit auf die politische Tagesordnung. Wimberg macht aber auf einen entscheidenden Punkt aufmerksam: „Letztlich ist nicht die Politik für die Schließung von Grundschulen verantwortlich, sondern die Gesellschaft insgesamt. Wenn zu wenige Kinder geboren werden, dann wird dies auf Dauer sicherlich auch im Schulbereich Konsequenzen haben.“ Doch solange es noch gehe, werde man von kommunaler Seite kurzfristig keine Schulschließung vorantreiben, versichert Wimberg.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)