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WISSENSCHAFT Geschichte der Bauern enträtseln

Bedeutung des Projekts für die Region

Ziel des Projektes

ist die Aufarbeitung des Raumes zwischen Delme und Hunte, der Umwelt, der Menschen und der Geschichte.

Gleichzeitig

sollen die Forschungsergebnisse als Multiplikatoren für landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung und für den Tourismus dienen.

Bisher gibt es nur wenige Publikationen über die Siedlungsgeschichte in dem Gebiet. Jetzt werden Sponsoren gesucht.

Von Birte Tripke

Wildeshausen/Harpstedt Wie haben Bauernfamilien im Mittelalter oder zu Beginn der Bauernbefreiung im frühen 19. Jahrhundert zwischen Delme und Hunte gelebt? Welche europäischen Handelsstraßen führten früher durch die heutige Samtgemeinde Harpstedt? Und was bedeuten die Orts-, Gewässer und Familiennamen in diesem Gebiet?

Diesen und vielen andren Fragen widmet sich das Forschungsprojekt „Bäuerliche Siedlungs- und Geschlechterhistorie Niedersachsens – Zwischen Delme und Hunte in der Samtgemeinde Harpstedt“. Prof. Dr. Dr. Bernd Ulrich Hucker von der Universität Vechta, Ideengeberin Prof. Karin Holm von der Fachhochschule Düsseldorf und die Privatgelehrte und Publizistin Patricia-Charlotta Steinfeld haben das umfangreiche Forschungsvorhaben am Freitag in der Privatschule Gut Spascher Sand vorgestellt.

„Es geht um eine unerforschte Gegend niedersächsischer Kultur und Geschichte, die wegen der vielen alten Familien und Bauerngeschlechter das Vorhaben sehr interessant gestaltet“, sagt Steinfeld, gelernte Literaturwissenschaftlerin. „Bisher ist das ein Randgebiet der Forschung“, ergänzt Hucker, Projektleiter und Heimatforscher von der Abteilung Kulturgeschichte und Landesforschung.

Das Projekt umfasst einen historischen Raum von 800 bis 1814 und sogar bis in das 20. Jahrhundert hinein. Neben Geschichte und Landeskunde sollen auch Forschungsbereiche wie Natur, Umwelt, Agrarwissenschaften, Geologie, Geographie, Altstraßenforschung, Kulturwissenschaften oder Archäologie mit einbezogen werden. Auch die Geschlechterforschung, die Heraldik (Wappenkunde) und die Onomastik (Namenskunde) sollen eine wichtige Rolle spielen. „Wir brauchen diesen breiten Ansatz, um den Doktoranden Spielraum zu setzten“, erklärt Hucker.

Zwei bis drei Jahre lang, je nachdem wie die Finanzierung aussieht, sollen ein oder zwei Doktoranden die bäuerliche Vergangenheit von Dörfern wie Beckeln, Reckum, Colnrade, Dünsen, Groß Ippener, Horstedt oder Winkelsett enträtseln.

48 000 Euro veranschlagen die Wissenschaftler für 36 Monate inklusive der Doktorandenstelle und der Publikationskosten. Für einen Teil kommt die Uni Vechta auf, für den anderen Teil hofft man auf begeisterungsfähige Stifter oder Sponsoren.

Wenn alles gut läuft, könnte schon Ende 2009 damit begonnen werden, Quellen wie Urkunden, Stammbäume und Korrespondenzen auszuwerten, so Steinfeld. Dabei werde nicht nur auf Archive in ganz Niedersachsen wie in Oldenburg, Vechta, Bremen oder Hannover zurückgegriffen. Auch die Samtgemeinde, Einzelgemeinden, Dorfgemeinschaften, Heimatvereine und Familien in Harpstedt sollen den Wissenschaftlern ihre Türen öffnen, sagt Steinfeld. „Wir schreiben die Familien an.“

Zum Beispiel die Kieselhorsts. Projektinitiatorin Holm ist gebürtige Kieselhorsterin – und eine gebürtige Kieselhorst. 1213 wurde das Dorf erstmals erwähnt, 1346 hat Ludolphus von Kieselhorst, ehemals abhängiger Bauer, weitere Bauern dort angesiedelt, erzählt Holm. Heute hat die Soziologin 70 Adressen von Kieselhorsts aus Deutschland und aus den USA. Viele sind ausgewandert, weiß Holm. „Der Name ist aber in der Region geblieben“.

Und im Rahmen des Projektes plant Holm auch ein großes Familientreffen.

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