Oldenburg - Osman Himmetoglu malt eine Kappe an die Tafel und streicht sie durch. „Mützen und andere Kopfbedeckungen müsst Ihr im Schulgebäude absetzen“, erklärt der 29-jährige Französisch- und Geschichtslehrer das von ihm kreierte Symbol. 22 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren, die aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan stammen, hören ihm aufmerksam zu. „Warum?“, will ein junger Syrer wissen. „Weil das drinnen unhöflich wirkt“, antwortet Himmetoglus Kollegin Mehtap Sengün (26). Beide unterrichten seit dem 17. Februar in der neu gebildeten Sprachlernklasse an der IGS Kreyenbrück – und bringen ihren Schützlingen dabei auch Schulregeln bei.
Schnelle Hilfe in der Not
„Wir haben die für den Sommer geplante Einrichtung der ersten Sprachlernklasse an unserer Schule vorgezogen, um in der aktuellen Notsituation sofort zu helfen“, berichtet Schulleiter Jens Kazmirek. Trotz des Kaltstarts läuft bisher alles hervorragend, sagt Kazmirek: „Wir haben keine Probleme.“ Zum sechsköpfigen Lehrer-Team, das mit unterschiedlichem Stundeneinsatz die Klasse betreut, gehören neben Osman Himmetoglu und Mehtap Sengün auch Lena Nordloh, Azita Renken, Nadine Diegel und Agneta Bettin. Sie haben sich allesamt freiwillig für die Aufgabe gemeldet und verfügen teilweise über die Zusatzausbildungen „Deutsch als Fremdsprache“ und „Deutsch als Zweitsprache“.
Im Lehrer-Team werden insgesamt sechs Fremdsprachen gesprochen. Unterstützt wird es von etwa 40 Schülern aus den Jahrgängen 7 bis 10, die mit Kurdisch-Kenntnissen und verschiedenen arabischen Dialekten für Verständigung sorgen. „Die Hilfsbereitschaft ist bewundernswert“, freut sich Rektor Kazmirek. So seien die jungen Flüchtlinge schon jetzt nicht mehr „die Neuen“, sondern fester Teil der IGS-Gemeinschaft.
Planstelle offen
Um die Änderungen aufzufangen, hat die IGS von der Landesschulbehörde kurzfristig eine Planstelle mit 30 Stunden zugewiesen bekommen. Kazmirek hofft, dass sie schon innerhalb der nächsten vier Wochen besetzt werden kann.
Auch die Zusammenarbeit mit dem städtischen Schulamt gestalte sich sehr gut. Doch in der Raumfrage kann auch der Schulträger auf die Schnelle nicht helfen – stattdessen ist Zusammenrücken angesagt. Als Behelfslösung wird die Sprachlernklasse jetzt, ziemlich beengt, in einem so genannten Differenzierungsraum unterrichtet.
In den ersten Tagen steht das Erlernen eines gewissen Grundsprachschatzes auf dem Stundenplan. Drei der Jugendlichen sind Analphabeten – doch auch sie können jetzt auf Deutsch sagen, wie sie heißen, woher sie kommen und was ihre Lieblingsbeschäftigungen sind. „Alle lernen hier unheimlich schnell und sind sehr motiviert. Sie wollen so zügig wie nur möglich Deutsch sprechen und verstehen können“, sagt Mehtap Sengün, die sonst in den Fächern Deutsch, Gesellschaftslehre, Kunst sowie Arbeit-Wirtschaft-Technik unterrichtet.
„Es macht große Freude, mit den Jugendlichen zu arbeiten“, pflichtet ihr Osman Himmetoglu bei.
Individuelle Förderung
Nach der Einführungsphase werden die „Neuen“ zügig in den Schulalltag eingebunden. In Fächern wie Sport nehmen sie bereits in ihren künftigen Klassen am Unterricht teil. In der Sprachlernklasse wird es dann weiter eine individuelle Förderung geben. Mehtap Sengün ist vom Gelingen der Integration überzeugt: „Das wird etwas.“
