Cloppenburg - Im Februar 2008 hat die Jugendburg-Stiftung „Heilig Kreuz“ Cloppenburg eine pädagogisch-therapeutische Wohngruppe (WG) für junge Erwachsene und Jugendliche mit seelischen Behinderungen gegründet. Sechs Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren haben in der WG am Forstweg Platz. „Die gesellschaftliche Eingliederung und ein selbstständiges Leben der Jugendlichen sind die wichtigsten Ziele“, erklärte damals der pädagogische Leiter Rainer Bernholt. Wie sieht die Bilanz nach fünf Jahren aus? Ist das Konzept aufgegangen? Die NWZ hat nachgefragt.
Bernholt zog am Montag ein positives Fazit, dabei sei diese Wohngruppengründung reines Neuland gewesen. Zu Beginn habe er sich sogar gefragt, ob es überhaupt genügend Interessenten geben würde. „Heute ist die Nachfrage so groß, dass wir sie gar nicht bedienen können.“
Soziale Phobien
Die Bewohner stammen meist aus der Region. Die meisten haben einen Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hinter sich. Ihr Bildungshintergrund reicht vom Abitur bis hin zur abgebrochenen Hauptschule, die Erkrankungen von Depressionen über Essstörungen bis hin zu sozialen Phobien. Allen gemein ist, dass sie mit dem alltäglichen Leben überfordert sind.
Fünf pädagogische Mitarbeiter, eine Therapeutin und eine Hauswirtschafterin kümmern sich rund um die Uhr um die jungen Erwachsenen, die noch zur Schule gehen, ein Praktikum absolvieren oder in einer Berufsvorbereitung stecken. Dabei wird in kleinen Schritten vorangegangen, alles muss zu bewältigen sein. Während ihres Aufenthalts lernen die Bewohner einen positiven Umgang mit der eigenen Problematik und dem eigenen Krankheitsbild, entwickeln soziale und kommunikative Fertigkeiten, bauen eine stabile Persönlichkeit auf. Die medizinische Behandlung erfolgt über eine Facharztpraxis in Oldenburg.
Kontakt zu Familien
Auch wenn die 14- bis 21-Jährigen in der WG leben, halten die meisten von ihnen engen Kontakt zu ihren Familien, ehemaligen Bewohnern, Freunden und Bekannten. Auch in der Nachbarschaft wird Integration groß geschrieben. „Die Nachbarn sind wirklich toll“, weiß Bernholt. Ob Nachbarschaftskaffee, Grillfest oder Trauerfall, die WG-Bewohner sind immer willkommen und unterstützen auch ihrerseits die anderen.
Nach ein bis zwei Jahren WG am Forstweg ziehen einige der Bewohner tatsächlich in eine eigene Wohnung, andere wechseln in Wohngruppen für Erwachsene. Froh ist Bernholt, dass alle jungen Erwachsenen bislang positiv unterstützt werden konnten. „Keine Betreuung ist bisher nach hinten losgegangen.“
