Rastede - „Schau dir mal die vielen Bläschen an“, ruft Lea aufgeregt. Die Achtjährige sitzt in den Räumen der Kreisvolkshochschule in Ras­tede, vor ihr steht ein etwas merkwürdiges Konstrukt. An die beiden Pole einer Batterie sind Kabel angeschlossen, deren anderes Ende sich in einem mit Wasser gefüllten Glas befindet. Und darin bilden sich gerade viele Bläschen an der Oberfläche.

Lea und ihr gleichaltriger Sitznachbar Paul greifen zu ihren Lupen, um das Phänomen genauer zu beobachten. „Das Wasser wird in seine beiden Bestandteile aufgespalten – in Wasserstoff und Sauerstoff“, erklärt Barbara Adrian den Kindern gerade den Sinn dieses Experiments. Neben Lea und Paul haben sich noch neun weitere Mädchen und Jungen für den ersten Teil der Forscherwerkstatt angemeldet, den die Kreisvolkshochschule Ammerland im Zuge der Ferienaktionen in Rastede anbietet.

„Der Spaß am Beobachten steht im Vordergrund“, sagt Barbara Adrian, die solche Kurse schon „seit ein paar Jahren“ anbietet. „Eigentlich bin ich Landschaftsökologin“, erzählt die Dozentin. Als ihre Kinder auf eine weiterführende Schule kamen, habe sie ihnen vorgeschwärmt, wie spannend Physik- und Chemieunterricht sein werden.

„Doch es kam anders“, erinnert sich Barbara Adrian. Ihre Kinder saßen im Frontalunterricht, Schülerversuche waren eine Seltenheit. „Da habe ich mir gedacht, das muss man doch auch anders machen können.“ Da der Verband der deutschen Ingenieure zu jener Zeit ein Programm aufgelegt hatte, um Kinder an Naturwissenschaften heranzuführen, schloss sich der Kreis. Die Forscherwerkstätten waren geboren.

Während die Kinder in Rastede noch immer begeistert beobachten, wie in ihren Wassergläsern immer mehr Bläschen aufsteigen, bereitet Barbara Adrian schon das nächste Experiment vor. „Wir lassen eine Rakete aufsteigen“, sagt sie und hat sofort die volle Aufmerksamkeit der Kleinen.

Als Rakete fungiert in diesem Fall ein Teebeutel. Der wird vom Inhalt befreit, aufgerichtet und oben angezündet. Die Papierröhre brennt fast bis zum Boden herunter, dann steigt der Rest wie von Zauberhand auf – wie eine Rakete eben.

„Das brennende Papier erzeugt erwärmte Luft, die kontinuierlich nach oben steigt“, erklärt Barbara Adrian den Kindern. Am Ende sei der Beutelrest dann leicht genug, um von der warmen Luft mit nach oben gezogen zu werden.

Die Teebeutel-Rakete bleibt nicht das letzte Experiment an diesem Vormittag. Aus Gelatine stellen die Kinder Glibberseife her, und zum Schluss erfahren sie auch noch, wie eine Lavalampe funktioniert. Ganz nebenbei stellen sie auch fest, wie spannend Physik und Chemie sein können. Forschen macht schließlich am meisten Spaß, wenn man selbst experimentieren darf.

Frank Jacob
Frank Jacob Redaktion Rastede, Redaktion Wiefelstede