Wüsting/Hude - Wenn in der Grundschule Wüstring die Glocke zur ersten Stunde schellt, geht es für einige Schüler nicht in den Klassenraum, sondern in die Küche – Obst und Gemüse schnibbeln.
Mit Beginn des neuen Schuljahres werden in ganz Niedersachsen Jungen und Mädchen kostenlos mit frischem Obst und Gemüse versorgt. Unter den mehr als 650 angemeldeten Schulen befinden sich auch zwei aus der Gemeinde – die Förderschule Hude und eben die Grundschule Wüsting. Nach einigen Verzögerungen läuft die Belieferung inzwischen.
Paul geht in die erste Klasse. Am Donnerstag hat er Obstdienst. Was er am liebsten isst? „Äpfel“, sagt Paul, „ist doch ganz klar!“ Und zumindest im Herbst scheint seine Antwort plausibel. Schließlich beschränkt sich die Auswahl auf Äpfel, Birnen und Bananen – und die sind inzwischen in ganz Deutschland nicht mehr wirklich exotisch.
Ungewöhnliches sieht man erst beim Blick in die Gemüse-Kiste: Kohlrabi. „Das habe ich als Kind gar nicht gemocht“, sagt Sarah Helmts mit Blick auf die knackige Knolle. Sie macht derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Sportfreunden Wüsting-Altmoorhausen und in der Grundschule. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder es gerne essen.“
Helmts betreut zusammen mit Praktikantin Greta Schmadtke den Obstdienst, bei dem die Schüler selbst Äpfel und Bananen in kleine Stücke schneiden und auf Tellern stapeln. „Das funktioniert total gut“, sagt Schmadtke. Auch wenn die Kinder noch nicht alles hinbekommen, sei bislang noch nichts passiert. Und zur Not gibt es ein kleines Pflaster, sagt Helmts.
Sind die Teller voll, kommen sie in die Klassenräume. Paul hat seine Äpfel inzwischen fertig zerteilt, schnappt sich die kleine Obstplatte und verschwindet in Richtung Unterricht. „Die Kinder essen es wirklich gerne“, sagt Schulleiterin Sabine Tretner. Eigentlich seien Obst und Gemüse für drei Tage. In Wüsting bemühe man sich, vier Tage von den Vorräten zu zehren.
Jeden Dienstag wird eine Kiste pro Klasse angeliefert. Der Inhalt kommt von der Hofgemeinschaft Grummersort. Bis Freitag wird jeden Tag geschnibbelt. Wird es zu kompliziert, helfen Schmadtke und Helmts – beim Kohlrabi beispielsweise. „Den schneiden wir vor“, sagt die Praktikantin. Ansonsten würden die Kinder aber weitestgehend selbstständig arbeiten.
Auch die Förderschule Hude nimmt am Schulobst-Programm teil. Hier kommen die Lebensmittel von einem örtlichen Einzelhändler. Auch hier ging es erst mit einer kleinen Verzögerung los. In Wüsting war diese Verzögerung allerdings geplant. Zum Start des neuen Schuljahres wollten die Lehrer erst einmal die neuen Schüler eingewöhnen, bevor ein neues Projekt angeschoben wird.
Inzwischen ist es etabliert, die Kinder freuen sich über die Extra-Vitamine. Nur einige Eltern haben sich noch nicht daran gewöhnt. „Manchmal dauert es etwas länger, bis die Teller leer sind“, sagt FSJlerin Helmts. „Je nachdem, wie viel die Eltern ihren Kindern noch mitgeben.“
Die sechsjährige Fiona hat vorgesorgt: „Ich habe meiner Mama erzählt, dass es Obst gibt“, sagt sie, während sie mit einem Messer versucht das Gehäuse aus einem Apfel zu pulen. Nicht nur das Essen kommt bei den Kindern an, auch die Arbeit. „Es macht Spaß“, sagt Toske, sieben Jahre alt. Mehr Spaß als Unterricht allerdings nicht. „Beides gleich“, sagt sie und schnappt sich einen Teller.
