Sandkrug - Christian Pundt beugt sich über ein kleines Bildchen. „Das Radiergummi“, murmelt Hattens Bürgermeister. Banarjan guckt ihn fragend an. „Der“, korrigiert der Elfjährige. „Der Radiergummi.“ Die deutsche Sprache ist eben gar nicht so einfach – selbst nicht für Deutsche.
Banarjan kommt aus Syrien. Er ist ein Flüchtlingskind. Genauso wie viele andere Kinder aus seiner Sprachlernklasse der Grundschule Sandkrug. Diese Klasse besucht Christian Pundt, gemeinsam mit Hattens Hauptamtsleiter Tobias Hunger, an diesem Vormittag. Die norddeutsche Begrüßung kennen die Kinder schon mal. Einstimmig begrüßen sie die beiden Gäste mit „Moin moin“. Die Flüchtlingskinder lernen hier die deutsche Sprache. Jeden Tag, zwischen den Unterrichtsstunden, kommen sie in den umfunktionierten Computerraum.
Spielerisch lernen sie zum Beispiel durch Memoriespiele neue Wörter: Sie müssen dann geschriebene Wörter einem passenden Bild zuordnen. Die Sprachlernklasse wird von Fachkräften der Volkshochschule (VHS) geleitet. Auch Lehrerin Solveig Schettlinger, die zur Vorbereitung einen Kursus besucht hat, ist dabei. „Die VHS ist ein super Partner“, lobt Schulleiter Jan Glander. Auch Christian Pundt freut sich, dass die Schule von außen Verstärkung bekommt. „Dadurch wird der Regelbetrieb nicht eingeschränkt.“ Unterstützung bekommt die Grundschule auch vom Rotary Club, so dass die Sprachlernklasse unter anderem mit wichtigen Materialien ausgestattet wird. Dass die Kinder schnell die neue Sprache lernen, hat Glander schon gemerkt. Sie würden alles aufsaugen wie ein Schwamm, stellt er zufrieden fest. Banarjan kann schon ein bisschen Deutsch. Bei der Frage, wer etwas über sich erzählen möchte, schnellt sein Finger sofort in die Höhe. „Ich habe vier Schwestern und drei Brüder“, erzählt er. Auch wenn noch nicht alles, was er sagt, zu verstehen ist, redet er jetzt schon wie ein Wasserfall.
„Ich habe eine Narbe“, fügt er auf einmal hinzu und zieht sein Hosenbein hoch. Er tippt auf die bleiche Stelle knapp über seinem Knie. Woher die Narbe stammt? „Aus Syrien“, antwortet er. Mehr kann er noch nicht dazu erklären.
Derzeit besuchen 15 von 19 Flüchtlingen an der Grundschule die Sprachlernklasse. So lange, bis ihre Sprachkenntnisse für den normalen Unterrichtsalltag ausreichen. Um sich auch sonst in der Schule zurechtzufinden, haben die Kinder in den jeweiligen Klassen einen Schüler als Paten. Im kommenden Schuljahr soll die Sprachlernklasse in einen richtigen Klassenraum umziehen. Und wer weiß – vielleicht kann dann ja Banarjan seinen neuen Mitschülern ein bisschen Deutsch beibringen.
