Sandhatten - Das „Vater unser“ auswendig lernen, in der Bibel lesen und regelmäßig die Gottesdienste besuchen, so sah früher bei vielen der klassische Konfirmandenunterricht aus. In der Kirchengemeinde Hatten lernen die Konfirmanden dagegen auch die praktische Seite des Christseins kennen. Sie begleiten die Kirchenälteste Anke Braun zurzeit bei deren Besuchen in den drei Pflegeheimen in Kirchhatten und Sandhatten.

33 junge Menschen sind es in diesem Jahr, seit 2003 gibt es schon das Projekt. „Es ist nicht immer einfach, jeder Tag ist anders“, sagt Anke Braun. Sie bereitet die Mädchen und Jungen darauf vor, dass ihre Gesprächspartner auch nicht alle gleich gut gestellt sind. Manche sind stark dement, nicht jeder möchte auch mit den Besuchern reden. „Ich wollte sowieso gerade aufstehen“, sagt ein älterer Mann und steht auf, als die Kirchenälteste mit einem der Konfirmanden an seinen Tisch im großen Saal des Pflegeheims „Landhaus Heuermann“ tritt.

Anke Braun kennt solche Situationen und respektiert sie. Wenige Minuten später sitzt der junge Mann mitten in einer Runde älterer Damen. Die Unterhaltung kommt langsam, aber sicher in Gang. „Die meisten Senioren freuen sich auf die Besuche“, berichtet Anke Braun aus eigener Erfahrung. 1997 hat sie mit dem Besuchsdienst begonnen, alle 14 Tage kommt sie seitdem in die drei Pflegeheime.

Damit ihre jungen Begleiter nicht überfordert sind, gibt es extra einen Vorbereitungsunterricht. Braun erzählt, was sie selbst erlebt hat und worauf es vor allem ankommt – „zuhören, aber nicht werten“. Auch die Bedeutung der Schweigepflicht wird den Konfirmanden vermittelt. Wichtig sei es, vor allem für andere Menschen da zu sein, ihnen das Gefühl der Nähe und Anteilnahme zu geben, erklärt die Kirchhatterin. Am Ende, so hofft sie, verstehen die Heranwachsenden besser, was „Diakonie“ bedeutet und was sich hinter dem Engagement verbirgt.

Am 25. August können sich dann alle 33 Teilnehmer in einem Nachbereitungsunterricht über das Erlebte austauschen, von ihren Besuchen berichten und erzählen, was ihnen positiv oder negativ aufgefallen ist. Persönlich hofft Anke Braun, dass die Konfirmanden spüren und erleben, was sie selbst auch nicht jedem Erwachsenen mit Worten erklären kann: „Dass man mit ganz wenig Einsatz und etwas verschenkter Zeit viel Freude bereiten kann.“

Werner Fademrecht
Werner Fademrecht Redaktion Hatten