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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Hallo, wir zehn sind die Mutzkes

12.12.2017

Zetel „Ursprünglich wollten wir wie so viele Paare zwei Kinder“, erzählt Alexandra Mutzke lächelnd. „Wir haben dann aber spätestens mit dem dritten Kind festgestellt, dass Großfamilie absolut unser Ding ist; wir sind da einfach hineingewachsen.“ Die 42-jährige Vollzeitmama schaut liebevoll auf das jüngste der acht Kinder: Die zwanzig Monate alte Matilda schläft leise schnarchend an Mamas Brust – es ist ein Bild des Friedens. „Wir sind so glücklich und dankbar, dass alle gesund sind.“

Besucht man die Mutzkes in Zetel, fährt man zunächst durch ein kleines Gewerbegebiet. Das Haus der Großfamilie steht scheinbar mittendrin – eine Oase mit großem Garten und Kinderspielplatz, der Arbeitsplatz für Papa Ralf direkt nebenan. „Das ist praktisch, wenn ich mal schnell rüber muss“, erzählt der Baumaschinenführer. Und das versucht der 40-Jährige oft: zu Hause zu sein. Einmal im Monat räumt ihm sein Arbeitgeber sogar einen freien Tag extra für seine Familie ein. „Dass wir beide uns in die Kindererziehung einbringen ist uns sehr wichtig“, erzählt seine Frau. Eine klassische Arbeitsteilung „gibt es hier eigentlich nicht“. Und so steht Papa kurz nach fünf mit der Kleinsten auf und bereitet das Frühstück und die Schulverpflegung vor.

Die Vorweihnachtszeit hat begonnen, schon im Eingangsbereich der zehnköpfigen Familie duftet es nach Plätzchen und frisch gebackenem Brot. Auf dem Weg zur Küche kommt man an einer gemütlichen Lese- und Wohlfühlecke vorbei. Bücher und Kinderspielzeug sorgen für Farbenfreude. Betritt man dann den Raum, in dem sich die Mutzkes die meiste Zeit des Tages aufhalten, fallen zunächst einmal ein paar an der Decke hängende, selbstgebastelte Adventskalender ins Auge. „Die haben Ralf und ich für die fünf Jüngsten gebastelt“, sagt Alexandra Mutzke stolz. „Die drei Älteren haben mit Schokolade gefüllte.“

Immer Trubel, immer viele Menschen um einen herum: Das Leben im Kreise so vieler Familienmitglieder ist nicht für alle etwas, „das muss man leben und voll dahinterstehen. Nur so funktioniert es.“ Und so laufen die beiden großen Waschmaschinen im separaten Hauswirtschaftsraum täglich auf Hochtouren: vier bis acht Trommeln pro Tag. Für jedes Kind gibt es einen eigenen Wäschekorb. Helfen die Kinder eigentlich im Haushalt mit? „Ja, das ist uns sogar sehr wichtig“, betont die Großfamilienmutter. „Jeder hat seine Aufgaben, die es im übrigen auch geben würde, hätten wir nur eines oder zwei Kinder.“ Die Frau mit den aufgeweckten Augen schaut etwas ernst. „Oft höre ich Kommentare wie: ‘Die müssen bestimmt viel mithelfen.’ Das müssen sie aber nicht. Jeder hat seinen Anteil zu leisten, aber es ist nicht viel.“ Das habe mit Großfamilie nichts zu tun.

„Spülmaschine ausräumen mag ich nicht so gerne!“, ruft die zehnjährige Emma dazwischen. Der achtjährige Ihno kichert. Eine Sache gibt es da aber, an die sich keiner wagt: das Fensterputzen. „Da lassen wir alle paar Monate jemanden Professionelles kommen“, lacht Ralf Mutzke.

Wenn Alexandra Mutzke das Mittagessen vorbereitet, hat sie alle Hände voll zu tun: Pro Mahlzeit werden etwa dreieinhalb Kilogramm Kartoffeln geschält oder zwei Kilogramm Nudeln gekocht. „Jeden zweiten Tag backe ich Schwarzbrot.“ Gemeinsam verbraucht die Familie im Schnitt zwölf Liter Milch und zwanzig Liter Mineralwasser pro Woche. „Im Sommer ernten wir aus unserem eigenen Garten Salat, Gurken, Tomaten und Kräuter.“

Und wie reagieren die Menschen auf die Mutzkes? „Es gibt zwei Extreme: Einige finden uns bewundernswert, andere vielleicht asozial, aber das bekommen wir eigentlich nicht mit. Eine eigene Meinung hat jeder, und das ist ja auch in Ordnung; aber ich finde es schlimm, wenn Menschen einfach ohne Wissen urteilen. Sie dürfen sich hier bei uns gern ihr Bild machen.“ Alexandra Mutzke schaut zu ihrem Mann. Der nickt bestätigend. „Oft schüren bestimmte Sendungen im Fernsehen das Klischee der Asozialität. Das ist sehr schade.“ Der Familienvater schaut jetzt nachdenklich. „Wir sind eine sehr umtriebige Familie, die Wert auf Bildung und Sport legt.“ Er selbst ist Vorstandsmitglied im Kindergarten des fünfjährigen Sohnes Tammo.

Reiten, Fußball, Posaunenunterricht, Politik – diese und mehr Aktivitäten füllen den Tagesablauf der Kinder. Eigentlich sei immer jemand mit dem Transit unterwegs, um sie von A nach B zu bringen. Die 14-jährige Lea beispielsweise ist Mitglied im Jugendparlament in Zetel. Später möchte die Schülerin einmal „etwas mit Jugendlichen“ machen. Andere Berufswünsche der Kinder reichen von Gymnasiallehrer über Bäcker bis hin zur Turnierreiterin. „Unsere Kids sind unterschiedlich, zum Teil grundverschieden. Sie dürfen sich ausprobieren, wir zwingen nichts auf“, betont Mama Alexandra. Und auch in diesem Punkt sind sich die Eltern einig: Die Kinder sollen „sich selbst treu bleiben“ und in allererster Linie „Kind bleiben, solange sie es wollen.“

Dass die Tendenz zu Großfamilien in Deutschland wieder steigt, haben die Mutzkes auch in ihrem Umfeld bereits mitbekommen; die meisten Paare würden aber vor allem aus finanziellen Gründen davor zurückscheuen. Alexandra Mutzke findet diesen Ansatz falsch: „Viel entscheidender ist doch die Frage, ob Eltern auf Dinge verzichten können: teure Möbel, Autos, Urlaube in der Ferne und dergleichen.“ Sie schaut aus dem Fenster, fährt dann in der für sie typischen, ruhigen Art fort: „Wir sind genügsam und müssen nicht in die Ferne schweifen.“

Und wie schaut es aus in Sachen Zweisamkeit? Brauchen denn die Eltern nicht Momente nur für sich? „Doch, die räumen wir uns ein, um einfach nur mal Ralf und Alexandra zu sein.“ Die Achtfachmama schaut stolz in die Runde. „Manchmal erinnern uns die großen Kinder sogar daran. Bevor Matilda geboren war, haben sie uns sogar ein ganzes Wochenende in Hamburg ermöglicht und managten die anderen Kinder und den Haushalt.“

Sind noch weitere Kinder geplant? „Eigene nicht. Die letzten Schwangerschaften waren sehr beschwerlich.“ Alexandra Mutzke schüttelt den Kopf, Ralf Mutzke tut es ihr gleich. „Wir können uns aber vorstellen, in Zukunft für Pflegekinder zu sorgen, Hilfe wird da doch immer benötigt.“ Eine soziale Ader hatte die Leiterin einer örtlichen Krabbelgruppe immer schon, nach ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin war sie eine Zeitlang als Altenpflegerin tätig. Sie zuckt mit den Schultern. „Das ist einfach meins.“ Tochter Vanessa lächelt zustimmend, sie selbst macht gerade eine Ausbildung zur Erzieherin. Die 19-Jährige wird demnächst ausziehen – eine schreckliche Vorstellung für die Mama? „Nein“, antwortet die wider Erwarten. „Sie zieht ja nur eine Straße weiter.“ Alexandra Mutzke lacht. „Aber im Ernst: Der Abnabelungsprozess beginnt ja schon viel eher. Eltern haben Zeit, sich mit diesem Gedanken auseinanderzusetzen.“ Sie schaut wieder auf die schlummernde Matilda. „Trotzdem geht das alles viel zu schnell.“

Doch von der Wehmut zur Vorfreude: Was steht Weihnachten an im Hause Mutzke? „Wir bleiben seit Jahren über die Feiertage zu Hause. In diesem Jahr kommt die Oma zu Besuch“, berichtet Papa Ralf. „Es bleibt entspannt.“ Der elfjährige Paul meldet sich mit energisch erhobenem Zeigefinger zu Wort, er muss unbedingt von einem ganz besonderen Brauch erzählen. „Das Warten auf die Bescherung ist immer so spannend. Wir sitzen dann bei Vanessa im Zimmer und schauen fern, bis Papa uns dann ruft.“ Der 17-jährige Nico klärt augenzwinkernd auf: „Der Weihnachtsmann kommt bei uns nämlich schon in der Nacht zum 24. Dezember. Er versteckt den Schlüssel zum Wohnzimmer, und irgendwann im Laufe des Nachmittags schreibt er Papa eine SMS. Dann dürfen alle runter kommen zum Suchen.“ Tammo zappelt aufgeregt auf seinem Stuhl herum. Er kann es offensichtlich schon jetzt kaum noch erwarten. „Jaaa!“

Matilda erwacht und streckt sich erst einmal. Als sie die Frau erblickt, die nicht hierher gehört, runzelt sie die Brauen. Doch schnell glättet sich ihre Stirn wieder – viele Menschen um sich herum ist sie ja gewöhnt.

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