Frage:
Frau Buchmann, warum sollten vier- bis sechsjährige Jungen ihre „Kräfte messen“?buchmann:
Bei meiner Arbeit mit Kindern habe ich festgestellt, dass das Rangeln und Raufen von Jungen öfter unterbunden wird. Eltern und Erzieher können es nicht aushalten, aber die Jungen haben ein Bedürfnis danach. Mädchen probieren auch gerne aus, wie stark sie sind, haben aber eine andere Art damit umzugehen.Frage:
Und inwiefern ist es notwendig für die Jungen?buchmann:
Viele haben ein nicht ausreichendes Körpergefühl, manche lassen sich sehr viel gefallen, andere können austeilen, aber nicht einstecken. Wir bieten bei der Lern- und Spielwerkstatt Primero einen Kursus an, in dem die Jungen in der Kleingruppe ein gutes Körpergefühl entwickeln und lernen sollen, sich besser auf andere einzulassen und die individuellen Grenzen zu akzeptieren. Wir machen zum Beispiel Vorübungen, bei der die Jungen bei einer Art Tauziehen die Kräfte der anderen einschätzen lernen.Frage:
Wird das im Kindergarten zu wenig gemacht?buchmann:
Es wird momentan wieder mehr gemacht. Zuhause nehmen aber oft Fernseher oder Computerspiele eine zu große Rolle ein und die Mädchen und Jungen bewegen sich nicht mehr ausreichend. Die Kinder müssen wieder Spaß an der Bewegung erleben, Selbstvertrauen entwickeln und sie sollen auch für sich selbst motiviert werden, weiter zu machen, vielleicht sogar in einem Sportverein. Für das Kräftemessen gibt es ja auch spezielle Sportarten wie zum Beispiel Judo oder Ringen.Jungen im Kindergartenalter müssen Rangeln und Raufen, um Selbstvertrauen und ein Körpergefühl zu entwickeln. Das sagt die Ganderkeseer Heilpädagogin Bettina Buchmann.
