Rostrup/Bad Zwischenahn - „Eigentlich ist alles da“, sagen Patrick Wulf und Peter Röben. „Alles, außer die Lehrerstunden.“ Genau die benötigen die Leiter der Grundschule Rostrup und der Hauptschule Bad Zwischenahn aber, um möglichst vielen Kindern mit ausländischen Wurzeln den Besuch der besonderen Klasse zu ermöglichen, damit diese schnellstens die deutsche Sprache erlernen können.
Eine Deutschlern- (Grundschule) und eine Sprachlernklasse (Hauptschule) gibt es an den Einrichtungen – zuständig jeweils für Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Ammerland. An engagierte Kollegen mangele es nicht, betonen die Schulleiter. Klassenräume sind ebenfalls vorhanden. Und Schüler sowieso. Genau da liegt auch das Problem: Es gibt weit mehr Schüler, die eine vorübergehende Beschulung in diesen Klassen benötigen, als Plätze. 17 Schüler werden in der Hautschule derzeit besonders unterrichtet, 16 sind es in der Grundschule. Mehr geht laut Erlass des Kultusministeriums nicht. Das Ziel: Nach rund einem Jahr sollen die Kinder und Jugendlichen die deutsche Sprache so weit beherrschen, dass sie in Regelklassen der unterschiedlichen Schulformen wechseln können.
„Allein an der Hauptschule mussten bereits sieben Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse in Regelklassen untergebracht werden“, so Röben. 13 weitere stünden auf einer Warteliste. Eine weitere Sprachlernklasse könne sofort eingerichtet werden. Auch im Primarbereich sei der Bedarf für eine zweite Klasse vorhanden, betont Wulf beim Besuch von Björn Försterling. Der FDP-Landtagsabgeordnete und bildungspolitische Sprecher seiner Fraktion informiert sich derzeit in ganz Niedersachsen über die Situation: „Die Problematik ist überall dieselbe.“ Seine Parlamentskollegin Sigrid Rakow (SPD) soll zeitnah an der Hauptschule noch einmal auf das Problem aufmerksam gemacht werden.
Die Landesschulbehörde stelle derzeit keine weiteren Lehrerstunden für Sprachlernklassen zur Verfügung, bedauert Wulf. Vielmehr sollten diese aus dem vorhandenen Pool der Förderstunden genommen werden. „Die Kollegen haben aber selber auch Schüler, die gefördert werden müssen.“ Und: „Nach der Sprachlernklasse ist die Förderung nicht beendet.“ Zu schaffen sei es derzeit nur durch Umlagerung, den persönlichen Einsatz der Kollegen und deren Mehrarbeit.
Arbeit leisteten die Lehrer derzeit weit über das Pädagogische hinaus, betont Wulf. Sie würden bei Behördengängen helfen, Schulmaterial organisieren oder auch mal Kontakt zu Übersetzern vermitteln. Der Sprecher der Zwischenahner Grundschulen im Kooperationsverbund gab Försterling eine Stellungnahme mit auf dem Weg in die Landeshauptstadt, in der der große Bedarf an Förderunterricht hervorgehoben wird.
Försterling brachte noch eine andere Unterstützung ins Gespräch: „Es fehlt an Sozialarbeitern und therapeutischer Unterstützung. Einige Schüler müssen erst einmal sozialisiert werden.“ Eine zusätzliche Kraft für Integrationsaufgaben sei sicher hilfreich, so Wulf. Die könne bei allem rund um die Schule helfen, etwa bei organisatorischen Dingen oder bei der Kontaktaufnahme zu Vereinen. „Das wollen wir in Gesprächen mit dem Landkreis und der Gemeinde weiter verfolgen.“ Und auch der – bisher nur schwer zu knüpfende – Kontakt zu den Eltern soll intensiviert werden. Dafür sei ein Begegnungsort wünschenswert, etwa ein Elterncafé.
