Rastede - Schüler haben auch mal Probleme – untereinander, Zuhause oder mit Lehrern. In solchen Fällen können sie sich an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Rastede bislang an die Beratungslehrer Sonja Eitel-Harms und Cornelia Fuchs wenden. Doch letztere geht demnächst in den Ruhestand – und das stellt die Schule vor ein Problem.
„In den beiden kommenden Jahren werden wir nur eine Beratungslehrkraft haben, die einen Zeitumfang von drei Unterrichtsstunden für die Beratung haben wird“, sagt Schulleiter Gerd Kip. Und das an einer Schule, die von rund 2000 Kindern und Jugendlichen besucht wird.
Umfangreiche Aufgabe
Wie umfangreich die Aufgabe ist, weiß Sonja Eitel-Harms am besten. „Ich führe Gespräche mit Schülern, nehme Anrufe entgegen, beantworte E-Mails und muss manchmal auch Kontakt zum Jugendamt halten“, sagt die Beratungslehrerin. Außerdem sind Präventionsprojekte ein wichtiger Bestandteil des Beratungskonzeptes an der KGS.
Gerade erst wurde die Ausstellung „Echt krass!“ an die Schule geholt, die Schülern vermitteln soll, was sie über Themen wie sexuelle Selbstbestimmung und sexuelle Gewalt wissen müssen (NWZ berichtete). Doch für solche Projekte wird zumindest in den kommenden beiden Jahren keine Zeit mehr sein. „Es wird keine Präventionsmaßnahmen mehr geben“, sagt Sonja Eitel-Harms.
In den vergangenen Jahren standen den Beratungslehrern für solche Projekte zwei zusätzliche Stunden zur Verfügung, doch die sollen künftig nicht mehr gewährt werden. Für Schulleiter Kip einfach „unverständlich“. Prävention sei schließlich eine wichtige Aufgabe, nicht nur für Schule, sondern die Gesellschaft allgemein.
Zusammen zehn Unterrichtsstunden standen den beiden Beratungslehrerinnen bisher zur Verfügung. Jeweils drei für die Beratung und weitere zwei für Präventionsprojekte. Obwohl sich die Schule rechtzeitig um einen Nachfolger für die in den Ruhestand wechselnde Cornelia Fuchs bemüht habe, sei erst jetzt die Ausbildung eines weiteren Beratungslehrers bewilligt worden, sagt Kip. Der Grund: fehlende Fortbildungsplätze.
Prävention ernst nehmen
„Wenn man Prävention ernst nimmt, muss man politisch auch gewillt sein, die personellen Ressourcen zu schaffen“, sagt der Schulleiter. Die Beratungslehrerinnen seien an der Schule die präsenten Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrkräfte und engagieren sich in der Einzelfallhilfe und Systemberatung.
Dass die Probleme in den beiden kommenden Jahren weniger werden, ist vermutlich eher nicht zu erwarten. Zeit, sie zu lösen, wird es aber vorerst weniger geben.
