Bösel - Wenn zwei sich streiten – kommt der Schlichter. Zumindest an der St.-Martin-Grundschule in Bösel. Dort hat Schulleiterin Rita Schorling am Montag 15 Streitschlichter den Schülern vorgestellt. Rita Schorling bedankte sich in der Aula der Grundschule für das Engagement: „Das ist nicht selbstverständlich.“

Die Schulleiterin forderte die Schüler auf: „Wenn Ihr Zoff auf dem Schulhof habt, geht Ihr zu den Streitschlichtern in den gelben Westen.“ Betreut werden diese von Manuela Herbst, die – über das Caritas-Sozialwerk angestellt – als Sozialpädagogin an der Schule arbeitet, und von Lehrer Daniel Wulfen. Ohne die Mitarbeit der Sozialpädagogin würde das Projekt in dieser Form nicht funktionieren, sagte Wulfen. Umso glücklicher ist man in der Schule, dass die Stelle der Sozialpädagogin zunächst für ein weiteres Jahr finanziert ist.

„Ich versuche, Streit zu schlichten, wenn mich einer um Hilfe bittet“, sagte Mia Mammen (8). Die neuen Streitschlichter haben, obwohl sie derzeit noch in der Ausbildung sind, bereits ihre Dienste jeweils in zwei Pausen in der Woche angetreten. Sie profitieren vom Wissen der fünf „alten Hasen“, die bereits im zweiten Jahr als Streitschlichter in gelben Westen auf dem Schulhof Ansprechpartner sind. Ein „alter Hase“ ist auch Martin Lech (9). Er ist bereits im zweiten Jahr in der Streitschlichter-AG und hat offenbar den Dreh raus. Denn, so sagte der Neunjährige, seine Schlichtungsgespräche hätten bislang immer geklappt. „Es macht Spaß und man kann dabei eine Menge lernen“, sagte der Schüler.

Von sich aus werden die Schüler nicht aktiv, sondern erst, wenn sie angesprochen und um Hilfe gebeten werden, erläuterte Pädagoge Daniel Wulfen. Manuela Herbst ergänzte: „Das ist nicht die Schulhof-Polizei, die patrouilliert.“

Die Schüler haben sich freiwillig für die Streitschlichter-AG gemeldet. Und damit bereits Engagement bewiesen, bedeutet die AG doch freiwilligen zusätzlichen Unterricht. Das Ziel sei gewesen, in etwa gleichviele Jungen und Mädchen auszubilden; zudem sollte aus jeder der dritten und vierten Klassen mindestens ein Schüler vertreten sein. „Das ist uns gelungen“, sagte Manuela Herbst.

In größeren Streitfällen werden die Kontrahenten schon einmal ins Streitschlichterbüro gebeten, um darüber zu sprechen. Dann kommen Daniel Wulfen oder Manuela Herbst zwar dazu, sie beobachten aber nur. Gelegentlich unterschreiben die Streithähne im Anschluss einen Schlichtungsvertrag, in dem sie Regelungen für ein besseres Umgehen miteinander fassen. „Bislang hat noch keiner gesagt: ,Ich unterschreibe nicht’“, sagte Manuela Herbst. Es gehe nicht um Bestrafung, sondern darum, eine Einigung zu finden.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)