Ostfriesland/Friesland - Die Nordseeküste ist ein beliebtes Urlaubsziel. Dass das Wattenmeer aber nicht nur schön, sondern potenziell auch gefährlich sein kann, sei nicht allen Menschen im nötigen Ausmaß bewusst, findet der Langeooger Wattführer Uwe Garrels. Er beobachte immer wieder, dass Urlauber an Warnschildern vorbei ins Watt gehen, sagt Garrels.Auch der Bezirksleiter der DLRG Ostfriesland, Hendrik Schultz, meint: „Viele informieren sich leider nicht im Vorfeld.“ Dies könne dann übel ausgehen – wie im Fall von vier Wattwanderern, die kürzlich vor Spiekeroog feststeckten und gerettet werden mussten. „Die meisten Unfälle dieser Art sind vermeidbar“, sagt Uwe Garrels.
Unter welchen Umständen können sich Laien allein ins Watt wagen ?
„Bestenfalls gar nicht“, betont Garrels: „Macht man es aber doch, sollte man sich vorbereiten.“ Dazu gehöre die richtige Ausstattung mit Kompass und Karte. Auch die Gezeiten sollte man kennen, sich außerdem bei einer Kontaktperson abmelden. „Es sollten aber nur Menschen allein ins Watt gehen, die schon auf Wanderungen in dem Gebiet waren“, sagt er weiter. Nicht nur für die eigene Sicherheit sei es besser, geführte Wattwanderungen vorzuziehen: „Man ist in einem Nationalpark unterwegs, da geht es auch um Naturschutz.“
Was ist ein Wattführer ?
Ein Wattführer ist ein anerkannter Experte, der Führungen anbietet. Für diesen Titel legt er eine Prüfung bei der Nationalparkverwaltung ab. Dort werden Fachwissen sowie konkrete Streckenkenntnisse abgefragt. „Danach darf man nur in diesem bestimmten Gebiet Führungen anbieten“, erklärt Garrels, der selbst seit über 40 Jahren Führungen anbietet.
Was macht das Watt so gefährlich ?
Die Gefahren seien für den Laien nur schwer zu erkennen, warnt Hendrik Schultz: „Der Boden sieht zwar leicht begehbar aus, es ist aber unglaublich anstrengend, dort zu laufen.“ Auch das Wetter könne sich innerhalb von Minuten ändern. Zieht sogenannter Küstennebel auf, seien die eigene Hand nicht mehr zu erkennen und eine Orientierung mit bloßem Auge nicht möglich.
Auch der Boden habe seine Tücken, erklärt Uwe Garrels: „Manchmal sinkt man nur knöcheltief ein, manchmal tiefer.“ Besondere Vorsicht sei bei Muschelbänken geboten: „Die Schalen der Austern sind messerscharf, da kann man sich richtig schneiden.“ Weiter würden viele Touristen die vergleichsweise niedrigen Temperaturen im Watt und die intensive Sonneneinstrahlung unterschätzen.
Was sollte man unbedingt mitnehmen ?
Laut der beiden Experten gehören folgende Gegenstände zur Grundausstattung: ein Kompass, ein funktionierendes und aufgeladenes Telefon, Sonnenschutz, Verbandszeug sowie Trinkwasser. Weiter kann ein Fernglas bei der Orientierung helfen. Wattführer sind zusätzlich mit einem Seil und einer Trillerpfeife ausgestattet.
Wie verhält man sich, wenn man merkt, dass man einsinkt ?
Sinkt man zu tief ein, sollte man sich – so lange das Gehen noch möglich ist – stetig bewegen und in einem Bogen wieder umkehren, ohne dabei in die alten Fußspuren zu treten. Wer feststeckt, sollte Ruhe bewahren, sagt Garrels: „Je mehr man wackelt, desto tiefer rutscht man.“ Manchmal sei es möglich, sich auf den Oberkörper zu legen und die Beine herauszuziehen. In so einer Situation könne es weiter sinnvoll sein, eine Kontaktperson an Land anzurufen, um sich zu beruhigen.
Wann sollte man einen Notruf absetzen ?
Wer das Festland aus eigener Kraft nicht mehr erreichen kann oder die Orientierung verloren hat, sollte sich Hilfe von Profis holen, betont DLRG-Bezirksleiter Schultz. Die beste und schnellste Hilfe erhalte man über den Notruf 112. Für diesen Notfall sei es besonders wichtig, den ungefähren Standort zu kennen, betont Wattführer Garrels. Sein Tipp: „Zeichnen Sie sich auf einer Karte vorher ein, in welchem Bereich sie wandern möchten, dann wissen die Retter, wo sie suchen können.“
