Oldenburg/Im Nordwesten - Abdullah Rezan Cakici ist ein auffälliger Mann, ein über 1,90 Meter großes Kraftpaket, bis zum Hals tätowiert, mit dunklem Vollbart. Einer, der eigentlich nicht einfach mucksmäuschenstill verschwindet. Dennoch fehlt seit dem 3. Juli 2017 jede Spur von dem zweifachen Familienvater, der als Intensivtäter bekannt war. Bei der Staatsanwaltschaft liegt eine dicke Akte über Cakici, er hat Vorstrafen wegen Beleidigungen, Körperverletzung, Nötigung und Waffenbesitz. Diese lag der NWZ zeitweise vor.
Drogen, Schutzgeld und Gewalt
Rezan Cakici wird 1988 als Kind von türkisch-kurdischen Einwanderern mit Wurzeln aus Aserbaidschan und Iran in Westerstede geboren. Er legt eine kriminelle Karriere hin. In Bremen soll Cakici Gründungsmitglied des später verbotenen Rockerclubs „Mongols“ gewesen sein, später habe er die Führung bei den „Hells Angels Nomads Turkey“ in Bielefeld übernommen. Es ist die Rede von Drogen, Rotlicht, Schutzgeld und Gewalt.
Doch es kommt offenbar zum Zerwürfnis mit der kriminellen Rockergruppe. Im August 2014 wird er für vogelfrei erklärt – und ist damit für jeden Hells Angel angreifbar, wie es in übereinstimmenden Medienberichten heißt. In der Szenesprache nennt man das „Out in Bad“. Cakici reagiert mit einem YouTube-Video, das den Titel „Rezo Ha macht Ansage gegen die Hells Angels“ trägt (ist inzwischen nicht mehr abrufbar). Wenige Tage später entschuldigt er sich öffentlich und meint, es habe ein klärendes Gespräch gegeben. Dennoch wird vermutet, dass Cakicis Verschwinden mit dem Streit zusammenhängen könnte.
Erste Suche nach Rezan Cakici
Im Juli 2017 bittet die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland die Bevölkerung zum ersten Mal um Unterstützung bei der Suche nach dem 29-jährigen Rezan Cakici. Dieser war zuletzt in den Abendstunden des 3. Juli 2017 im Oldenburger Stadtteil Nadorst gesehen worden. Einige Tage später wurde er von Angehörigen als vermisst gemeldet.
Ist seit dem 3. Juli 2017 verschwunden: Abdullah Rezan Cakici. Bild: Fahndung Polizei
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Letzte Berichte zum Verbleib von Cakici lauten, dass er sich an besagtem Montagabend gegen 19 Uhr in der Shisha-Bar „Smokingzz“ an der Nadorster Straße aufhielt. Er soll nur für kurze Zeit dort gewesen sein, wollte aber nach zwei Stunden wieder zurückkommen. Der damals 29-Jährige habe all seine Sachen in der Bar stehen lassen – Handy, Portemonnaie und Porsche-Schlüssel – und sei durch den Hinterausgang gegangen. Danach habe ihn niemand mehr lebend gesehen.
Schüsse und Handgranate
Weitere eineinhalb Wochen später wurde in einem Ladenlokal an der Nadorster Straße, das unter dem Namen „M.A. Cakici Trockenbau GmbH“ im Handelsregister geführt war, der Onkel von Rezan Cakici mit drei Schüssen getötet, sein Vater wird im Verlauf einer Auseinandersetzung schwer verletzt. Noch am Tatort nimmt die Polizei einen 38-jährigen Cousin von Cakici fest. Das Gericht stellt später fest, dieser habe in Notwehr gehandelt – verurteilt wird er wegen Waffenbesitzes zu drei Jahren Haft.
Wenige Tage später explodiert in Bremen-Vahr eine Handgranate unter einem Passat – dessen Inhaber ist Rezans Vater Necat Cakici, der den Angriff im Oldenburger Trockenbau-Ladenlokal nur knapp überlebt hatte. Nach Einschätzung der Bremer Polizei sollte es sich dabei nicht um einen gezielten Tötungsversuch, sondern eher um eine zielgerichtete „Warnung aus dem Gewaltmilieu“ handeln.
Was mit Rezan Cakici passiert ist, bleibt weiter unbekannt. Ende 2017 durchsuchte die Polizei nach einem Tipp zweimal ein Waldstück in Wardenburg (Landkreis Oldenburg). Dabei konnte allerdings keine Spur zu Cakici gefunden werden. Einen konkreten Ermittlungsanlass habe es daraufhin nicht mehr gegeben – bis jetzt. Denn nach Aussagen der Polizei sind neue Hinweise aufgetaucht, weshalb die Ermittlungen wieder aufgenommen wurden. Ausgang offen.
