Vom aussichtsreichen potenziellen Präsidentschaftskandidaten in Frankreich und Chef des mächtigen Internationalen Währungsfonds zum Untersuchungshäftling in einer spartanischen amerikanischen Zelle für Sex-Verbrecher. Der persönliche und politische Absturz des Dominique Strauss-Kahn hätte dramatischer kaum ausfallen können.
Natürlich muss auch für den mächtigen Politiker aus Frankreich zunächst die Unschuldsvermutung gelten für das, was sich am Sonnabend angeblich in einem New Yorker Luxushotel abspielte. Doch allein schon die Umstände seiner Festnahme und die brisanten wie schockierenden Details der ihm zur Last gelegten Straftaten gegenüber einem Zimmermädchen sollten ausreichen, seine Karriere in der Finanz-Institution und der Sozialistischen Partei Frankreichs abrupt zu beenden.
Hinzu kommt, dass die bisher von der New Yorker Polizei ermittelten Fakten kaum Interpretationsspielraum für eine erfolgreiche Verteidigung zulassen dürften.
Eine Verschwörung seiner politischen Gegner in Paris?
Um diese erfolgreich durchzuführen, hätten diese heimlich und schnell in den USA ein Spinnennetz an Details weben müssen, angefangen mit den Dienstplänen der im Hotel beschäftigten Reinigungskräfte und der Entsendung eines bezahlten Opfers.
Doch wenn er sich keiner Schuld bewusst ist warum verließ dann Strauss-Kahn seine Suite in Eile und ließ Gegenstände zurück?
Dieser Frage wird er sich ebenso stellen müssen wie einem ganz anderen Aspekt: Hat den international anerkannten Politiker möglicherweise das Gefühl, als Mächtiger und Mitglied einer Elite so gut wie unantastbar zu sein, dazu verleitet, für einen Moment seinen Impulsen zu folgen und in der Folge moralische und strafrechtliche Grenzen zu ignorieren?
Er wäre nicht der erste prominente Politiker, der sich für einige Minuten fernab rationalen Handelns begab, dabei die Normen gesellschaftlich akzeptierten Verhaltens deutlich überschritt und nun einen hohen Preis dafür zahlen könnte.
