Ahlhorn - Gelegenheit, die Autobahn 1 kennenzulernen, hat die Delegation aus Afrika vor dem Besuch in Ahlhorn gehabt. „Die fängt dort an, wo Sie in den Stau gefahren sind“, sagte Werner Johannes. Der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Autobahnpolizei Ahlhorn hat am Mittwochnachmittag sieben Vertreter der nigerianischen Nationalversammlung auf dem Revier begrüßt.
Die Gruppe befindet sich in Deutschland auf Studienreise. Auf dem Weg zwischen Hamburg und Duisburg machte sie Station im Landkreis Oldenburg. Angesichts des Staus kamen die Gäste mit einer Stunde Verspätung in Ahlhorn an – und mit weniger Personen, als ursprünglich vorgesehen. Mit rund 20 Politikern hatte die Reise begonnen. „Da aber in Nigeria derzeit Wahlkampf ist, ist mehr als die Hälfte schon wieder abgereist“, erklärte Helga Wagner. Sie arbeitet bei der Consultingfirma HPC, die den Aufenthalt der Delegation organisiert hatte.
75 Mitarbeiter
Bei hohen Temperaturen wurde im Schatten des Polizeigebäudes eine Trinkpause eingelegt, während Jörn Stilke die Gruppe begrüßte und Fakten lieferte: „In Deutschland gibt es 16 Bundesländer. Jedes hat eine Landespolizei. 18 500 Polizisten arbeiten in Niedersachsen“, erklärte der Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch. Die Ansprachen gingen im Wechsel: Daniela Seeger übernahm die Übersetzung ins Englische.
„Sie haben die schönste Polizeistation in Deutschland erwischt“, begann Werner Johannes seine Ausführungen mit einem Lob. Er erklärte, dass die Autobahnpolizei, die zurzeit 75 Mitarbeiter zählt, insgesamt 145 Kilometer Autobahn betreut. „In beiden Richtungen – also insgesamt 290 Kilometer. 65 000 Autos fahren am Tag in unserem Bereich.“ Das größte Problem derzeit? „Das sind die Baustellen“, so Johannes. „Dadurch entstehen viele Unfälle.“ 1450 Unfälle registrierte die Autobahnpolizei im vergangenen Jahr. Dabei kamen sechs Menschen ums Leben, 380 wurde leicht und 80 schwer verletzt.
Eine der Hauptaufgaben der Polizisten ist es, Lkw-Fahrer zu überprüfen, ob sie noch fahrtüchtig sind – sei es bedingt durch Müdigkeit oder Trunkenheit. Kopfschütteln unter den Delegierten. Er könne sich nicht vorstellen, dass jemand unter Alkoholeinfluss Lkw fahre, sagte einer der Gäste. Ein „good thing“ (gute Sache) sei es, dass es in Europa strikte Ruhe- und Lenkzeiten gibt, sagte Johannes.
„Nach viereinhalb Stunden Fahrt müssen die Fahrer mindestens 45 Minuten Pause eingelegen.“ Zu lange Fahrzeiten, dadurch entstehende Müdigkeit – ein Problem in Nigeria, wie Bello Hassan erklärte. Deshalb würden er und seine Kollegen sich in Deutschland Ideen holen, um den Ausbau von Autohöfen im eigenen Land voranzutreiben. Eine der Hauptursachen für Lkw-Unfälle sei dort nämlich die „Fatigue“, die Müdigkeit der Fahrer. Während der Studienreise beschäftigt sich die Delegation mit Inland-Hafenterminals, Lkw-Transporten und der infrastrukturellen Anbindung des Hinterlandes.
„Beautiful police station“
Zum Abschluss konnten die nigerianischen Gäste die Einsatzwagen und die technische Ausrüstung der Polizei unter die Lupe nehmen. Bevor die Gruppe nach einer Stunde zurück in den Bus stieg, bedankte sich Bello Hassan. In einem Punkt gab er Werner Johannes auf jeden Fall recht: „This is the most beautiful police station I’ve ever seen.“ Die schönste Polizeistation, die er je gesehen habe.
