Ahlhorn - Die Folgen des Orkan-Tiefs Xavier sind auch noch nach einer Woche zu spüren. Am Donnerstagabend krachte eine Nordwest-Bahn (NWB) auf dem Weg von Oldenburg nach Osnabrück kurz vor Ahlhorn in eine umgestürzte Eiche.
Der Lokführer hatte den Baum nach Angaben der Nordwest-Bahn in der Dunkelheit erst spät gesehen, so dass er den Zug trotz Vollbremsung nicht mehr rechtzeitig zum Stehen bringen konnte. Die Frontscheibe des Lokstandes sei zu Bruch gegangen, der Lokführer mit einem Schock davongekommen. Auch die 70 Fahrgäste seien unverletzt geblieben.
Fahrgäste blieben im Zug
Der Unfall hatte sich gegen 20 Uhr ereignet. Die Freiwillige Feuerwehr Ahlhorn rückte mit 28 Einsatzkräften und sechs Fahrzeugen aus. „Unser Notfallmanager und der Einsatzleiter der Feuerwehr haben überlegt, ob die Fahrgäste aussteigen und an den Bahngleisen zum nächsten Bahnübergang gehen sollen, um dort von einem Bus abgeholt zu werden“, berichtete NWB-Sprecherin Stephanie Nölke. Doch weil es bereits dunkel und der Weg entlang der Gleise vom Sturm noch zu unwegsam erschien, sei entschieden worden, dass die Gäste im Zug bleiben. Unter ihnen seien auch zahlreiche Kinder gewesen. Die Feuerwehr habe die Bahnfahrer mit Getränken versorgt.
Doch nicht nur das: „Wir haben die Strecke ausgeleuchtet, mit Motorsägen die Eiche zerlegt und die Strecke nach weiteren Hindernissen abgesucht“, sagte Ahlhorns Ortsbrandmeister Carsten Rönnau. Viele Äste der Baumkrone hätten sich im Fahrwerk des Zuges verfangen, so dass es einige Zeit gedauert habe, bis der Zug wieder fahren konnte. Er vermutet, dass der Baum aufgrund des böigen Windes am Donnerstagabend umgekippt war.
Nach Aussagen von Nölke konnte die Nordwest-Bahn gegen 22.15 im Schritttempo die zwei Kilometer bis zum Ahlhorner Bahnhof zurücklegen. Gegen 22.45 Uhr sei die Bahnstrecke wieder freigegeben worden. Die 70 Fahrgäste seien in einen anderen Zug umgestiegen und weitergefahren.
Während der zweieinhalbstündigen Streckensperrung seien die Züge aus Richtung Wilhelmshaven bis zum Bahnhof Großenkneten gefahren, die Züge aus Richtung Osnabrück bis nach Ahlhorn. Zwischen den Bahnhöfen Großenkneten und Ahlhorn seien Busse gefahren.
Bis Freitagvormittag stand der beschädigte Zug auf einem Gleis im Ahlhorner Bahnhof, so Nölke. Dann sei er nach Osnabrück in die Werkstatt gefahren. Den Schaden bezifferte sie nach einer ersten Schätzung auf 15 000 Euro.
Gegen Kahlschlag
Schon beim Orkan-Tief vor einer Woche waren zahlreiche Bäume auf die Gleise der Strecke in der Gemeinde Großenkneten gefallen. Ortsbrandmeister Rönnau sprach sich in dem Zusammenhang gegen einen derzeit landesweit diskutierten Kahlschlag entlang der Bahnstrecken aus. „Dann müsste man ja 20 Meter rechts und links der Gleise alle Bäume fällen“, so Rönnau. „In dem Fall müsste man auch die Bäume entlang der Straßen abholzen. Der Eingriff in die Natur wäre viel zu groß.“ Er bezeichnete die Einsätze der Feuerwehr aufgrund umgefallener Bäume im Rahmen des Erträglichen.
