Ammerland/Detmold - Frühjahr 2016: Petrit D. (49), Fatos F. (35) und Ferki F. (34) stecken in Schwierigkeiten. Petrit und Ferki haben beim Glücksspiel verloren und höhere Schulden angehäuft. Fatos ist mit seiner Baufirma pleite gegangen, braucht aber Geld für die Operation eines seiner Kinder. Die drei beschließen, Tankstellen und Kioske leer zu räumen.
Petrit kennt sich da aus, er hat bereits eine längere Einbrecher-Karriere. Doch dass man als Profi-Dieb geschnappt werden kann, weiß er auch. Einige Jahre hat er im deutschen Knast verbracht, dann wurde er in seine Heimat abgeschoben. Dort nahm er einen neuen Namen an, siedelte nach Slowenien über und tummelte sich in den vergangenen Jahren überwiegend bei seiner Familie in Deutschland. Seine beiden Komplizen stammen ebenfalls aus dem Kosovo, sind in den Wirren des Jugoslawienkrieges geflüchtet. Sie haben keine Vorstrafen in Deutschland, aber auch keine Skrupel, bei der Tankstellen-Serie mitzumachen. Fatos F. war zudem schon früher mit Petrit auf Beutezügen gewesen.
Die Bande ist sich einig: Man hat es nur auf Zigaretten und Tabak abgesehen, das lässt sich schnell zu Geld machen. Von Nordrhein-Westfalen aus geht es nun abends los. Ziel: kleinere, etwas abgelegenere Orte mit Tankstellen, die nachts geschlossen sind. Gleich in der ersten Nacht erbeuten sie Zigaretten für 9255 Euro, beim nächsten Mal sind es sogar 15 000 Euro.
Immer dieselbe Masche
Die Masche ist immer dieselbe. Vorfahren, Sturmhaube aufsetzen, aus dem Auto springen, eine Tür mit einem Brecheisen öffnen (oder auch mal eine Scheibe zerstören). Und dann werden die Zigaretten zusammengerafft. So schnell, wie sie gekommen sind, sind sie wieder weg.
Doch bei der fünften Tour geht etwas schief. Ein Polizeioberkommissar ist zufällig mit seinem Diensthund unterwegs. Er will die Männer stoppen. Doch trotz eines Warnschusses und einer Großfahndung können sie entkommen.
Ein Denkzettel, für die Bande? Keineswegs. Als wäre nichts passiert, geht die Serie munter weiter.
Im Spätsommer entdecken die Männer das Ammerland. In Apen haben sie sich den Kiosk an der Mühlenstraße ausgesucht. Für knapp 4000 Euro erbeuten sie Zigaretten. Neun Tage später sind sie wieder im Ammerland. In der Westfalen-Tankstelle in Apen stehen sie Zigaretten für 3500 Euro. Und am 7. November ist die Avia-Tankstelle ebenfalls in Apen ihr Ziel. Dort macht die Beute fast 10 000 Euro aus.
Kurz darauf geht die Bande in die Winterpause. Für rund 300 000 Euro, so stellt sich später vor Gericht heraus, hat sie bis dahin Zigaretten gestohlen.
Für die heiße Ware haben die Kosovaren einen festen Abnehmer. Canan M. (43). Der Deutsch-Türke aus Meerbusch betreibt zwei Kioske. Er ist kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Hehlerei. Und über seine Geschäfte kann er die schwarz gekauften Zigaretten leicht verkaufen. Bei den Preisverhandlungen einigt man sich auf 3,50 Euro pro Schachtel, deutlich weniger als im Einkauf. Sein Mitarbeiter Nagi G. (47) ist es, der zumeist die Hehlerware abholt.
Dafür hat die Bande einen VW-Caddy an einem vereinbarten Treffpunkt stehen. Die Diebe packen dort gleich nach ihren Beutezügen die Zigaretten hinein. Nagi G. hat einen zweiten Schlüssel und bringt dann mit dem Transporter die Ware zu den Kiosken.
Aber die Polizei ist den Männern auf den Fersen. Der VW-Caddy wird mittlerweile observiert. Ein Passat, mit dem die Zigarettendiebe unterwegs sind, ist mit einem GPS-Sender versehen. Am 13. April greift die Polizei zu. Alle fünf Männer werden gefasst. Im Lager bei einem Kiosk in Vierssen finden die Ermittler 7000 Schachteln Zigaretten.
Erdrückende Beweise
Die Beweislast ist erdrückend. Alle legen Geständnisse ab. Petrit und Fatos räumen auch Taten aus früheren Jahren – zurück bis 2009 ein.
Der Kopf der Bande muss dafür fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, Fatos vier Jahre und drei Monate, Ferki dreieinhalb Jahre. So lange soll auch Hehler Canan M. sitzen. Nur sein nicht vorbestrafter Helfer Nagi G. kommt mit zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt sind, davon.
Zudem ordnet das Gericht die Einziehung von 300 000 Euro bei den drei Kosovaren an. Hehler M. soll 125 000 Euro zahlen. Beschlagnahmt und eingezogen werden auch die Tatfahrzeuge der Bande.
