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Fähre „harlingerland“ Gestrandet Nach dem „Rumms“ wird das Bord-Bistro gestürmt

Antje Brüggerhoff

Wangerooge - Wolfgang Heise zieht sich die Jacke enger. „Mir ist heute so kalt, aber vielleicht liegt das auch an der Müdigkeit“, meint er und lächelt. „Immerhin waren wir erst um viertel nach eins zu Hause.“ Der 76-Jährige war einer der 286 Passagiere, die von Montag auf Dienstag auf der Inselfähre nach Harlesiel festsaßen.

Wie berichtet, hatte sich die „Harlingerland“ gegen 15.45 Uhr knapp zwei Kilometer von Wangerooge entfernt auf einer Sandbank festgefahren. Ein erster Versuch der Seenotretter, das Schiff zu befreien, scheiterte. Erst um Mitternacht, als die Flut kam, konnte das 46 Meter lange Schiff in die Fahrrinne fahren.

„Abenteuer pur“

Gut acht Stunden saßen die Passagiere fest. Dabei wollte Wolfgang Heise eigentlich nur eine Tagesfahrt nach Wangerooge unternehmen, gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwägerin Burkhard und Traude Heise. „Die Abfahrt von der Insel verlief auch noch normal“, sagt Wolfgang Heise.

„Aber auf einmal hat es rumms gemacht, es gab einen Ruck, es knirschte und wir wussten: so, nun sitzen wir fest.“

Dass es nicht gefährlich werden würde, konnten sich die Brüder denken. „Aber was uns wirklich missfiel: Es wurde keine Durchsage vom Kapitän gemacht“, sagt Burkhard Heise. „Erst 45 Minuten später hat er den Passagieren die Situation erklärt – das hätte eher kommen müssen, der Kapitän hat die Verantwortung“, meint Wolfgang Heise. „Meiner Meinung nach hat er in dem Moment versagt.“

Freundliche Mannschaft

Die übrige Besatzung dagegen war super, meinen die beiden Männer. „Sie gingen von Tisch zu Tisch, haben Fragen beantwortet, boten Hotelübernachtungen für Gäste an, die nicht mehr nach Hause kamen.“

Nach der Durchsage des Kapitäns war klar: Das Schiff muss auf die Flut warten, und das kann bis Mitternacht dauern. So gab es für alle Gäste kostenlose Getränke und Essen – doch das war schon gegen 19 Uhr aufgebraucht, da offenbar das Bord-Bistro regelrecht gestürmt wurde. Nur warme Getränke standen zur Verfügung. „Aber viele Passagiere hatten selbst etwas mitgebracht und haben geteilt.“

Kurzzeitig musste allerdings zum Beispiel der Kaffeeautomat ausgeschaltet werden, haben Heises beobachtet. Denn: Der Notstrom wurde aktiviert. So saßen die Fahrgäste auch noch im Halbdunkeln.

Doch trotz all dieser Umstände war von mieser Stimmung keine Spur. Darüber freut sich Wolfgang Heise noch immer. „Alle waren einfach so freundlich, ruhig und entspannt.“ Das haben auch andere Passagiere so wahrgenommen. „Einige Kinder tobten in den Gängen – aber niemand regte sich auf, es war gewissermaßen sogar schön. Und in solchen Situationen merkt man doch: Wenn es nötig ist, dann halten die Leute auch zusammen.“ Schließlich war allen an Bord bewusst: Meckern würde an der Situation auch nichts ändern.

Kurz vor Mitternacht war endlich ausreichend Wasser unterm Kiel. „Einige gingen dann auf das obere Deck und winkten den Rettungskräften des Rettungsboots ,Wilma Sikorski‘ zu. Das war schön“, meint Wolfgang Heise.

Wenn er zurückblickt, findet er das Geschehene gar nicht mal so schlimm. „Ich habe mich mit so vielen netten Gästen unterhalten und es kamen tolle Gespräche heraus. Das war keine verlorene Zeit, das war Abenteuer pur.“

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