Jeverland - „Das kann doch gar nicht sein. Das Ding ist bestimmt nicht richtig geeicht“, sagt der Mann, von dessen Konto gleich 95 Euro abgebucht werden. Er macht ein paar schnelle Schritte, und bleibt dann vor dem Mann in Uniform stehen. „Das ist doch sicher verhandelbar“, schiebt er nach und grinst dabei. Der Mann in Unform zieht kurz die Mundwinkel an – und lächelt dann ebenfalls.

„Die meisten Leute nehmen es mit Humor, wenn wir sie anhalten“, sagt der Mann in der Uniform. Kriminalhauptkommissar Andreas Kreye ist einer von zwei Beamten, die am Mittwoch am „Blitzer-Marathon“, einer gemeinsamen Aktion von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und den Niederlanden, beteiligt sind. Beide haben sich mit einem schwarzen Van an der Kreisstraße 99 zwischen Neustadtgödens und Sande postiert.

Der Mann, dessen Kontostand sich soeben um einen nicht erheblichen, aber doch empfindlichen Betrag reduziert hat, heißt Rolf Peters, wohnhaft in der Schweiz. Er ist gerade zu Besuch in der alten Heimat. Mit 96 km/h war Peters unterwegs, erlaubt sind 70 km/h. „In der Schweiz hätte das umgerechnet über 200 Euro gekostet“, sagt er. „Ich war halt einen kurzen Moment in Gedanken.“

Glück im Unglück für Peters: Da er keinen Wohnsitz in Deutschland hat, bekommt er keinen Punkt in der Verkehrssünderdatei. Hätte er allerdings weder Geld noch Kreditkarte dabeigehabt, wäre womöglich sein Fahrzeug stillgelegt worden. „Wir dürften in so einem Fall Gegenstände sicherstellen – bei Lkw-Fahrern kommt das häufiger vor“, erklärt Andreas Kreye.

Noch vor der Dämmerung, um 6 Uhr, begann die Schicht von Andreas Kreye und seinem Kollegen Polizeikommissar Misha Kaul. „Unter erschwerten Bedingungen“, scherzt Kreye. Auf dem benachbarten Feld fährt ein Bauer mit dem Trecker Gülle aus, noch um 10.30 Uhr zieht der Mief durch die diesige Landschaft.

Handlasermessgerät – so lautet der genaue Name des bei Autofahrern nicht beliebten Utensils. Beide Polizisten sind ausgebildete Messbeamte. Das Gerät gleicht einer Pistole und ist auf einer Art Ständer im Polizei-Van montiert.

Durch das Okular sind heranfahrende Fahrzeuge in sechsfacher Vergrößerung zu sehen. Im Sichtfeld erscheint ein roter Kreis mit einem Punkt in der Mitte – mit diesem werden Kennzeichen oder andere reflektierende Fahrzeugteile anvisiert. Dann drückt einer der Beamten den Abzug. Der Vorteil: So lässt sich auch die Geschwindigkeit von Motorrädern überprüfen – die haben vorne kein Kennzeichen. Das Messgerät ist auf Entfernungen von bis zu 1000 Metern geeicht.

Rund 100 Leute, so schätzt Kreye, werden heute wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen im Landkreis zu Kasse gebeten – weniger als drei Prozent der kontrollierten Autofahrer. „Ein guter und normaler Wert.“

Der Blitzmarathon, an dem sich Polizeiinspektionen in ganz Niedersachsen beteiligten, endete am Donnerstagmorgen nach genau 24 Stunden um 6 Uhr.