Bösel - „Wir sind nicht in Manhattan“, sagt Oberkommissar Johannes Millhahn und blickt zu seinem Kollegen, Oberkommissar Heinz Wilke, hinüber. „Es gibt nichts in Bösel, das uns momentan Kopfzerbrechen bereitet“, erklärt Wilke. Seit vielen Jahren „schieben“ die beiden Polizisten in Bösel gemeinsam Dienst.
Eine Zelle, Waffenkammer, Telefonzentrale, Hundezwinger, Bereitschaftsraum – all diese Dinge gibt es in der neuen erst kürzlich bezogenen Polizeistation Bösel nicht. Der Arbeitsbereich der beiden Gesetzeshüter beschränkt sich auf ein gemütlich eingerichtetes Büro mit zwei Schreibtischen, auf jedem brennt eine Kerze.
Mit beiden Zeigefingern deutet Johannes Millhahn auf seinen Computerbildschirm und damit auf seinen Hauptarbeitsbereich. „Zu 90 Prozent sitzen wir am Computer. Wo es zwingend erforderlich ist, fahren wir hin.“ In Bösel wird aufgenommen, befragt und vor allem ermittelt, wie sein Kollege ergänzt. „Wir sind nicht auf Streife. Nur wenn wir gefragt werden, übernehmen wir den ersten Angriff.“
Von Bösel aus wird seit Oktober die gesamte Ermittlungsarbeit für Unfälle in der Region erledigt, bei denen es Verletzte gab. Spurensicherung, Vernehmungen und Nachforschungen gehören dazu. „Wir sind quasi der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft“, erklärt Heinz Wilke. Die Ermittlungen seien besonders zeitaufwendig, dazu klingele oft das Telefon für alle Arten von Anliegen, Befragungen von Zeugen und Unfallteilnehmern stünden auch auf der Tagesordnung. Das passiere auch mal außerhalb der Dienstzeit. „Es bleibt nicht aus, dass wir uns auf die Leute einstellen. Wenn ein Zeuge nur samstags oder nach Dienstschluss Zeit hat, dann ist das so“, sagt Heinz Wilke und sein Kollege ergänzt: „Einen Tag Urlaub wollen wir für die Aussage keinem zumuten. Wir sind flexibel, was das angeht.“
Für Wilke, der seit 43 Jahren bei der Polizei ist, ist die Arbeit nach wie vor interessant. „Wir treffen viele unterschiedliche Menschen – auch wenn manche davon ein wenig schwierig sind. Jeder Fall und jeder Unfall ist anders.“ Dabei hat sich im Laufe der Jahrzehnte das Aufgabenfeld geändert. „Wir haben heute auch viele Internetbetrügereien“, verrät Johannes Millhahn, der ebenfalls seit 43 Jahren Polizist ist und mit Heinz Wilke sogar mal zusammen zur Schule ging.
Die beiden Kollegen kennen sich in und auswendig. „Jeder weiß, was der andere denkt und tut“, findet Wilke. Sein Kollege pflichtet ihm bei: „Wir sind ein bisschen wie ein altes Ehepaar, wir sehen uns jeden Tag acht Stunden lang.“
„Man sollte nicht zuviel Tatort gucken“, sagt Johannes Millhahn auf die Frage, wo die beiden üblicherweise ihre Mittagspause verbringen. Die Antwort lautet nämlich „in der Küche“ und nicht etwa an der Currywurstbude oder im Donut-Laden, den es in Bösel ja eh nicht gibt.
Auch wenn der Büroalltag einen Großteil der Arbeit ausmacht, bleiben bewegende Momente nicht aus. Wie der, als jemand aufgelöst einen Fahrraddiebstahl melden wollte. „Ich konnte ihm freudestrahlend das Fahrrad wiedergeben, das stand schon im Büro um die Ecke“, erinnert sich Johannes Millhahn.
„Wenn sich Bürger bei uns melden und uns danken – dann wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagt Heinz Wilke.
Generell sei es ein gutes Gefühl, Leuten, die nicht wissen, wie sie zu ihrem Recht kommen, zu helfen und sich für sie einzusetzen. Die Arbeit in Bösel, auch wenn in der Gemeinde nicht viel passiere, sei daher eine wichtige.
Als jungen Mann ziehe es einen vielleicht eher dorthin wo mehr Action ist, sagen die beiden Polizeibeamten. In Bösel sei dafür aber die Aufklärungsrate hoch.
