Im Nordwesten - Sie gehen rücksichtslos und mit hoher krimineller Energie vor, sind logistisch gut ausgestattet und begehen ihre Taten länderübergreifend: die Automatensprenger, die im Nordwesten für zahlreiche schwere Straftaten verantwortlich sind und Millionensummen erbeutet haben. Attacken auf Geldautomaten sind ein krimineller Trend mit technisch sehr spezialisierten Tätern.
Durch die zunehmende Verwendung großer Mengen Sprengstoffs nehmen die Automatensprenger hohe Schäden an Gebäuden oder an über den Standorten befindlichen Wohnungen billigend in Kauf. Wegen Sicherheitsbedenken schließen immer mehr Geldinstitute einzelne Standorte. Die Politik fordert von den Banken intensive Sicherungsmaßnahmen.
Woher kommen die Automatensprenger ?
In den meisten Fällen werden die Taten von mehreren Personen begangen, teilt die Polizeidirektion Oldenburg auf Anfrage unserer Redaktion mit. Rund drei Viertel aller niedersächsischen und bundesweiten Automatensprengungen werden niederländisch-marokkanischen Gruppierungen aus dem Bereich Utrecht/Amsterdam zugerechnet, die in unterschiedlichen Zusammensetzungen – überwiegend mit hochmotorisierten Fahrzeugen – nach Deutschland einreisen, Straftaten begehen und anschließend wieder in die Niederlande zurückkehren. Die niederländischen Behörden gehen von einem Täterpotenzial von mehreren Hundert Personen aus.
Wie gehen Täter bei Automatensprengungen vor ?
Bei ihren Taten agieren die Täter immer skrupelloser. Inzwischen wird nach Aussage der Polizei zumeist Festsprengstoff verwendet. Das führe zu erheblichen Gebäudeschäden und erhöhe die Gefahr für Unbeteiligte deutlich. „Aus vergangenen Taten wissen wir, dass die Täter explosive Sprengmittel und große Benzinkanister mitführen. Den Tätern geht es einzig und allein darum, schnelle Beute zu machen – dass sie dabei Menschenleben in Gefahr bringen, spielt für sie keine Rolle“, so die Polizei.
Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Oldenburg (dazu gehören unter anderem die Polizeiinspektionen Cloppenburg/Vechta, Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, Oldenburg-Stadt/Ammerland und Wilhelmshaven/Friesland) ist die Anzahl der Geldautomatensprengungen leicht rückläufig.
So wurden im Jahr 2023 bislang vier Taten begangen, zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es sieben gewesen. Im Bereich der Polizeidirektion Osnabrück (wozu Leer/Emden und Aurich/Wittmund gehören) gab es in diesem Jahr drei vollendete Geldautomatensprengungen sowie einen Versuch.
Die bisher letzte Tat im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg ereignete sich vor mehr als drei Monaten. In der Nacht zu Freitag, 31. März, wurde ein Geldautomat im Combi-Markt an der Bremer Heerstraße in Oldenburg gesprengt.
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Wie können sich Banken vor Automatensprengungen schützen ?
Aus polizeilicher Sicht können verschiedene Maßnahmen zum verbesserten Schutz von Geldautomaten führen. Hierzu zählen unter anderem die automatische Schließung von Automaten in der Nacht, Vernebelungstechniken, Videoüberwachung oder Einfärbesysteme für Banknoten. Beim Tintefärbesystem beispielsweise zerbersten die in den Geldkassetten verbauten Behältnisse bei Druckwellen oder Gewalteinwirkung und entwerten das enthaltene Geld durch die Einfärbung. Ein effektives Mittel könnte zudem sein, die Bargeldbestände in den Bankautomaten zu reduzieren.
Wie weit sind die Banken mit den Schutzmaßnahmen ?
In den vergangenen Monaten wurden in vielen Geldinstituten der Region hohe Beträge in die Sicherheit der Geldautomaten und Filialen investiert. Diese Entwicklung wird von der Polizei begrüßt. „Der Kampf gegen die Geldautomatensprenger kann nur im Schulterschluss zwischen Banken und Polizei erfolgreich geführt werden“, teilt die Polizeidirektion Oldenburg mit. So solle der Ermittlungs- und Fahndungsdruck auf diese Tätergruppierungen hochgehalten werden.
Die Einsatzmaßnahmen hätten sich zuletzt als effektives Mittel bei der Bekämpfung der Geldautomatensprenger erwiesen. So war es der Polizei in diesem Jahr bereits in mehreren Fällen gelungen, verdächtige Personen kurz nach der Tat festzunehmen. Gleichzeitig gehe es darum, dass die Banken die Anreize für die Täter durch erhöhte Schutz- und Sicherheitsstandards an den Automaten weiter reduzieren.
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Wird es weitere Einschränkungen für Bankkunden geben ?
Eine großflächige Verringerung der Anzahl an Geldautomaten ist nach NWZ-Informationen im Nordwesten nicht geplant. Auf Anfrage bei mehreren Geldinstituten berichtete keines von Plänen, weitere Standorte zu schließen. So sei es Aufgabe der Sparkassen, „die Bargeldversorgung der Bevölkerung sicherzustellen“, sagt Petra Zschietzschmann von der Sparkasse Aurich-Norden. Viele Banken haben ihre Geldautomaten inzwischen aber über Nacht geschlossen. Das bezieht sich meist auf die Zeit zwischen 22 Uhr nachts und 6 Uhr morgens.
Nachgedacht wird zum Beispiel bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) über eine Reduzierung der Automaten in einzelnen Filialen – so könnten dort statt vier zukünftig nur noch drei stehen. Bei der Oldenburger Landesbank (OLB), der Oldenburger Volksbank und der VR Bank Oldenburger Land, die zuletzt nach Sprengungen zwei Filialen geschlossen hatte, ist gegenwärtig kein (weiterer) Abbau von Geldautomaten geplant.
