Bad Zwischenahn - Wenn der Ex permanent anruft, vor dem Firmengelände wartet, wenn man Feierabend hat, und böse Gerüchte in Umlauf bringt, ist das ein Fall von Stalking. Betroffene fühlen sich in einer solchen Situation oft hilflos, wissen nicht, wie sie sich angemessen verhalten sollen und wollen in den meisten Fällen nur eins: dass der tägliche Terror und das Gefühl, verfolgt und beobachtet zu werden, endlich aufhört.
„Leider ist es schwer, Stalking zu beweisen, da oft Aussage gegen Aussage steht“, weiß Hans Lammers, Außenstellenleiter des Weissen Rings im Ammerland. Der Weisse Ring ist ein gemeinnützigen Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und Verhütung von Straftaten, der seit einiger Zeit eine Smartphone-App mit dem Namen „No Stalk“ betreibt, die es Stalking-Opfern erleichtern soll, Beweise zu sammeln, dass sie gestalkt werden.
„Mit der App kann man Fotos machen, Videos aufzeichnen und Texte verfassen. Außerdem gibt es eine Notruf-Funktion und einen Alarm“, berichtet Lammers. Alle erfassten Daten würden in sogenannten Cloud, einem externen Speicher, hinterlegt, so dass der Verlust des Handys nicht auch gleichzeitig einen Verlust der Daten bedeute. „Wenn man das Passwort nicht vergessen hat, kann man auch mit jedem anderen Smartphone Zugriff nehmen“, erklärt Lammers weiter.
Stalking ist eine unterschätzte Gewalt, die jeden, Frauen wie Männer, treffen kann.
Unter dem Begriff Stalking versteht man bestimmte, zielgerichtete und wiederholte Verhaltensweisen gegen den Willen einer anderen Person, die Furcht auslösen.
Kennzeichnen dabei ist, dass die Verhaltensweisen der Stalking betreibenden Person (der sogenannte Stalker) mit den folgenden Begrifflichkeiten beschrieben werden können: verfolgen, nachstellen, belästigen und bedrohen.
Verhaltensweisen eines Stalkers sind wiederholtes Annähern und Auflauern, Sicht- und Körpernähe, mündliche oder schriftliche Kommunikation zum Beispiel per Telefon, SMS oder E-Mail gegen den Willen der Zielperson aber auch deren Verleumdung.
Häufig werden ehemalige Lebens- oder Ehepartner zu Stalkern. In 75 Prozent der Fälle kennen Stalking-Betroffene die stalkende Person.
„Besonders an der App ist auch, dass sie so angelegt ist, dass zum Beispiel die Bilder oder Videos vor Gericht verwendet werden können, weil es keine Möglichkeit einer Manipulation gibt“, sagt Mareike Fröllie, stellvertretende Leiterin der Außenstelle Ammerland. Das sei vor allem dann wichtig, wenn es zu einer Strafanzeige komme.
Dass die Entwicklung der App notwendig war, unterstreichen die Mitarbeiter des Weissen Rings. „Es gibt nur wenige Fälle, die verfolgt werden. Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, berichtet Lammers, der früher als Polizist gearbeitet hat und sich seit mehr als 30 Jahren beim Weissen Ring engagiert.
„Wir versuchen, den betroffenen Menschen zu helfen, indem wir Möglichkeiten aufzeigen, sich gegen das Stalking zu wehren“, erklärt er. Wichtig sei zum Beispiel, dem Stalker ganz klar zu machen, dass man keinen Kontakt mehr wünscht. „Wenn das nicht reicht, sollte man zur eigenen Sicherheit Freunde informieren und zur Polizei gehen. In einigen Fällen kann auch eine einstweilige Verfügung vor Gericht erwirkt werden, die dem Täter den Kontakt verbietet“, so Lammers weiter. Was wirklich helfe müsse aber immer im Einzelfall geklärt werden.
Die Mitarbeiter des Weissen Rings im Ammerland sind unter
