Barßel - Sie schnappt sich ihren Messbecher und stiefelt los, runter vom Hof, am Haus des Schwiegervaters vorbei. Der Hund kennt den Weg bereits gut und begleitet sein Frauchen Heike Westerkamp – wie immer. Er ist ja auch schön, der Weg durch den kleinen Wald hin zur Niederschlagsmessstation.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sammelt Wetterdaten. Die sind Grundlage für die Klimabeobachtung und die Wettervorhersage. Fast 2000 Wetterstationen bilden ein flächendeckendes Messnetz in ganz Deutschland, 1800 davon werden von Ehrenamtlichen betreut. Gemessen werden zum Beispiel Temperaturen, Wind und der Niederschlag. Erwin Lachmann vom Deutschen Wetterdienst macht deutlich, wie wichtig diese Wetterstationen sind: „Wettervorhersage ist ohne Daten nicht möglich.“
Da kommen Menschen wie Westerkamp ins Spiel. Sie misst im 24-Stunden Takt, wie viel es geregnet hat. Jeden Tag also läuft sie morgens um genau 7.50 Uhr zur nahe gelegenen Niederschlagsmessstation: eine Kanne, in der sich Regen sammelt. Den füllt Westerkamp in ihren Messbecher und liest die Werte ab. Dazu wird dokumentiert, ob beispielsweise Hagel gefallen ist. Hinzu kommen im Winter Daten zur Schneedicke und zum Bedeckungsgrad. Zur Winterzeit muss die Aufzeichnung eine Stunde früher gemacht werden, um 6.50 Uhr.
„Gemessen wird nach der Weltzeit“, erklärt Lachmann die frühe Uhrzeit. Es sei wichtig, dass überall auf der Welt zur gleichen Zeit gemessen werde, damit die Daten vergleichbar blieben. Für Westerkamp ist das kein Problem: „Wir sind Frühaufsteher und um sechs schon wach.“
Die dreifache Mutter hat das Ehrenamt von ihrem Schwiegervater, Carl Westerkamp, übernommen, der 26 Jahre lang im Dienst war. „Ich bin da so reingeschlittert“, erzählt sie. Ihr Mann führe einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb, so dass sie zu Hause arbeiten könne. „So habe ich die Möglichkeit, die Station weiter zu betreuen. Es ist auch durchaus interessant, sich damit zu beschäftigen.“ Und wenn sie in den Urlaub fährt, kümmert sich die Tochter ausnahmsweise darum. Seit 1932 wird in Barßel so der Niederschlag gemessen.
Verändern sich die Niederschläge? Beispielhaft rechnet Lachmann mit Westerkamp die aktuellen Niederschlagswerte für den Juli zusammen: 108 Liter pro Quadratmeter. Normal sei in Niedersachsen ein Durchschnittswert von 73 Litern pro Quadratmeter. „Wir sind 30 Liter über dem Normalwert“, sagt Westerkamp.
Nach Lachmanns Erfahrungen seien Veränderungen spürbar. „Wie waren die letzten Sommer? Warm und von Starkregen geprägt“, sagt er. Und das nehme zu. Gar keine Frage, dass das mit dem Klimawandel zu tun hat. „Der Wasserhaushalt der Erde bleibt immer gleich. Die Meere sind unsere Wetterküche. Wenn die Luft wärmer wird, kann sie mehr Wasser aufnehmen, und irgendwo kommt es wieder runter.“
Ein bisschen Regen messen... Viel Disziplin ist bei den ehrenamtlichen Wetterbeobachtern gefragt. Sie tragen einen kleinen aber bedeutenden Teil zur Wetteraufzeichnung bei – die Grundvoraussetzung für Vorhersagen und Prognosen.
