BENTHULLEN - 10. Februar 1955: das Wetteramt Bremen hat mäßige, teilweise böige Winde und gelegentliche Schneeschauer vorhergesagt. Der britische Fliegeroffizier Frank Horace Rickwood (21) steigt in seine Maschine und startet vom Fliegerhorst Oldenburg in südöstliche Richtung. Eigentlich ein Routineflug, doch irgendetwas an seiner Maschine, dem ersten britischen Überschalldüsenjäger Sabre F 4, stimmt nicht. Rickwood legt nur 13 Kilometer zurück, überfliegt dabei noch Häuser am Saarländer Weg in Harbern II, dann bohrt sich seine Maschine mit einem Knall nahe Dortmunder Weg und Hartmannsweg ins Moor.
Bruno Barsties, der als einer der ersten am Unfallort ankommt, erinnert sich: „Die Maschine war in mehrere Teile zersprungen, der Pilot lag vom Cockpit ein gutes Stück entfernt.“ In sein Gedächtnis eingeprägt hat sich für ihn, der damals ein Kind war, vor allem die ungewöhnliche Armbanduhr des Piloten. Untersuchungen der britischen Airforce kommen zu dem Schluss, dass der 21-jährige Pilot in 330 Meter Höhe bei einer Geschwindigkeit von 630 km/h noch versucht hat, mit dem Schleudersitz die instabile Maschine zu verlassen. Doch die ist dafür viel zu schnell und fliegt zu tief: der Ausstieg funktioniert nicht richtig, Rickwood verfängt sich mit dem Sitz am Flugzeug und stirbt beim Aufprall auf das Leitwerk.
Die genaue Unfallursache ist bis heute unklar. Mehrere Jahrzehnte kannte Barsties nicht einmal den Namen des Piloten. „Ich habe mich immer wieder gefragt, was das wohl für ein Mensch gewesen ist“, sagt er. Die 75-Jahr-Feier Benthullens in diesem Sommer und die Arbeit an der neuen Dorfchronik geben den Anlass, Nachforschungen anzustellen. Gespräche mit ehemaligen Augenzeugen bringen keine neuen Erkenntnisse.
Im NWZ -Archiv stößt Barsties dann auf eine Meldung, die das Absturzdatum nennt. Über Werner Oeltjebruns und Olaf Timmermann vom Verein „Flieger, Flugzeuge, Schicksale“, die gute Kontakte nach England haben, kommt weiteres Licht ins Dunkel. Timmermann hat 2008 in einem Buch, das sämtliche verloren gegangene Flugzeuge der Royal Airforce nach dem II. Weltkrieg auflistet, die Unglücksmaschine ausgemacht und den Kontakt zum Neffen David Rickwood hergestellt. Der ist hoch erfreut, nähere Informationen über das Schicksal seines Onkels zu erfahren. Ein fast schon sicherer Besuch zum Jubiläum scheitert an beruflichen Verpflichtungen des Engländers. Doch er will immer noch nach Benthullen kommen – und die Stelle sehen, wo sein Onkel gestorben ist.
