BERNE - Das Fenster im ersten Stock steht offen. Ermittlungsbeamte mit Mundschutz und Schutzanzügen tragen Gerätschaften in das Wohn- und Geschäftshaus von Friedrich Harmsen. Die Tageszeitung vom Dienstag steckt noch im Briefkasten. „Die hat er morgens immer rausgeholt.“ Fred Schwarting kennt die Gewohnheiten seines langjährigen Nachbars ganz genau. Die Ermordung des 86-Jährigen schockiert ihn. „Wir waren in Nordenham unterwegs und kamen gegen 18 Uhr nach Hause“, erzählt Schwarting. Da hörte er vom Tod Friedrich Harmsens.

Der Berner Geschäftsmann war am Dienstagnachmittag gegen 14.30 Uhr von Mitarbeitern der Gemeinde Berne tot aufgefunden worden. Ihnen war aufgefallen, dass Harmsen nicht seinen gewohnten Tagesgeschäften nachging. „Es bestand Gefahr für Leib und Leben. Da habe ich angeordnet, die Tür zu öffnen“, sagte Michael Heibült, Fachbereichsleiter bei der Gemeinde Berne. Auch Schwarting weiß, dass Friedrich Harmsen jeden Morgen gegen 9 Uhr seine Seitentür aufgeschlossen hat, um hinterm Haus die Hühner und Tauben zu füttern. Abends habe er immer gegen 21 Uhr seine Tür verschlossen. Deshalb geht die Polizei davon aus, dass das Opfer den oder die Täter am Montagabend freiwillig in sein Haus gelassen hat. Der Tod soll laut Obduktionsbericht zwischen 20 und 24 Uhr eingetreten sein. Die Gerichtsmediziner bestätigen, dass Harmsen durch einige Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf getötet wurde. Die Polizei vermutet einen Raubmord. „Er galt im Ort als sehr vermögend“, bestätigte Polizeisprecherin Anke Rieken.

„Er hat hier oft von seinen vielen Häusern erzählt“, sagt Elke Wegner, Angestellte einer Spielothek in Berne: „Friedrich Harmsen kam jeden Tag gegen 14 Uhr zu uns, er hat hinter dem Haus Hühner und Tauben, die er gefüttert hat.“ Wegner beschreibt Harmsen als Eigenbrötler, der auch mal angeeckt sei. Mit seinem Geld habe er aber nicht geprahlt. Am Dienstagnachmittag hatte sie sich gewundert, weil Harmsen nicht vorbeischaute. Gewartet hat am Dienstagmittag auch Harmsens Freundin Hannelore Goldenstedt: „Er kam mittags immer zum Essen zu mir. Ich hab ihn angerufen, aber er ging nicht ans Telefon.“ Seit drei Jahren sei sie mit Harmsen zusammen, erzählt die 74-Jährige: „Er hat sich gut um mich gekümmert, ist mit mir einkaufen gegangen.“ Am Dienstagnachmittag kam die Polizei und überbrachte ihr die schreckliche Nachricht. Hinweise zur Tat an Telefon 04721/573200.

   

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg