BLEXEN - Etwa 100 Anwohner in Blexen sind betroffen. Sie müssen bis 17 Uhr ihre Häuser verlassen haben.
von norbert hartfil
BLEXEN - Auch 60 Jahre nach seinem Ende gibt es noch gefährliche Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges. Eine davon lauert vermutlich im Boden des ehemaligen Gutehoffnungshütte-Dockbauplatzes in Blexen. Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen haben dort einen Metallkörper aufgespürt, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Fünf-Zentner-Fliegerbombe handelt. Die Sprengstoff-Fachleute aus Hannover wollen den Blindgänger morgen entschärfen. Dafür sind ab 16 Uhr eine Evakuierung der umliegenden Häuser und eine Einstellung des Fährverkehrs nach Bremerhaven erforderlich.Nach Angaben von Rudolf Müller, der bei der Stadtverwaltung den Fachdienst Ordnung leitet, wird bei der Bombenräumung in einem Umkreis von 500 Metern eine Sicherheitszone eingerichtet. Etwa 100 Anwohner aus der Fährstraße und der Lunestraße sind davon betroffen. Sie müssen bis 17 Uhr ihre Häuser verlassen haben. Als vorübergehende Unterkunft steht ihnen die Grundschule Blexen zur Verfügung.
Wenn bei der Beseitigung des Blindgängers alles nach Plan läuft, ist die Aktion nach spätestens einer Stunde beendet. In dieser Zeit sind auch die Straßen im Umfeld des GHH-Geländes abgesperrt. Ab dem Deichschaart an der Bundesstraße 212 und der Ecke Fährstraße/Bremerhavener Straße gibt es dann kein Durchkommen mehr. Dafür sorgen die Polizei und die Feuerwehr.
Die letzten Abfahrten der Weserfähre vor der Bombenräumung sind um 16.40 Uhr in Bremerhaven und um 17 Uhr in Blexen. Voraussichtlich können die Schiffe um 18 Uhr in Bremerhaven und um 18.20 Uhr den Pendelverkehr wieder aufnehmen.
Der vermutete Blindgänger stammt von britischen oder amerikanischen Bombern, die am 18. Juni und am 4. August 1944 die schwersten Luftangriffe auf Nordenham geflogen hatten. Mit Hilfe von Luftbildern der alliierten Streitkräfte hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Fund auf dem brachliegenden Werftgelände in viereinhalb Metern Tiefe entdeckt. Ob es sich bei dem „Störkörper“ tatsächlich um eine Bombe handelt, wird sich aber erst beim vorsichtigen Ausgraben zeigen.
Sprengmeister Tomas Hauschild war mit seinem Trupp im März vergangenen Jahres schon einmal in Blexen im Einsatz, um Verdachtspunkte mit einer Bodensonde näher zu untersuchen. Dabei blieb die Suche zwar erfolglos. Doch zwischenzeitlich ist das Land Niedersachsen in den Besitz weiterer Luftaufnahmen der Alliierten gekommen. Bei der Auswertung dieser Bilder stießen die Bombenfahnder auf den neuen Verdachtspunkt auf dem GHH-Gelände.
Was mit der Bombe geschieht – wenn es denn eine ist –, entscheidet Hauschild kurzfristig je nach deren Beschaffenheit. Wenn es gut läuft, ist eine Entschärfung durch den Ausbau des Zünders möglich. Ansonsten tritt Plan B in Kraft: Sprengung des Blindgängers vor Ort.
