BöSEL - Ganz langsam fährt am Freitagvormittag ein Auto an der Unfallstelle auf der Jägerstraße vorbei, wo am Freitag vergangener Woche eine 21-Jährige aus Petersdorf tödlich verunglückte. Der Fahrer dreht, hält vor den vielen Kerzen, dem hölzernen Kreuz und Blumen an, die zum Gedenken an die Verstorbene dort aufgestellt wurden und setzt seine Fahrt erst nach einer Weile fort. Der tragische Unfall beschäftigt die Böseler – auch, weil er sich auf der Jägerstraße ereignet hat, wo viele Menschen schon seit Jahren eine Herabstufung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fordern.
Zwei Unfälle in drei Jahren
Noch in diesem Monat will die Unfallkommission im Landkreis Cloppenburg erneut prüfen, ob eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Jägerstraße zwischen der Garreler Straße und dem Bahnübergang an der Thüler Straße möglich ist. „Das machen wir grundsätzlich nach schweren Unfällen“, erklärt Klaus Fangmann, Geschäftsführer der Unfallkommission.
Auf einer Kreisstraße sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung nur möglich, „wenn zwingende Gründe dafür vorliegen“, erklärt Fangmann. Das sei der Fall, wenn eine Strecke als Unfallschwerpunkt eingestuft wird. Dafür müssten sich an einer bestimmten Stelle fünf gleichartige Unfälle innerhalb eines Jahres ereignen oder drei schwere Unfälle in einem bestimmten Gebiet innerhalb von drei Jahren. Fangmann: „Darunter ist die Jägerstraße bisher nicht gefallen.“ In den Jahren 2008 bis 2010 hätten sich auf der Jägerstraße zwei schwere Verkehrsunfälle ereignet, bei einem sei der Fahrer alkoholisiert gewesen. Die Kommission fange aber mit dem Jahr 2011 nicht bei Null an zu zählen, sondern berücksichtige auch die Unfälle aus den letzten Jahren. Aber: „Eine Geschwindigkeitsbegrenzung als präventive Maßnahme ist vom Gesetz her nicht zulässig.“
Gefahr durch Ausfahrten
Viele Böseler und vor allem die Anwohner der Jägerstraße wollen aber diese Begrenzung – weil sie die Strecke für zu gefährlich halten. „Man darf in den Kurven nicht 100 fahren, das ist zu schnell“, sagt der Böseler Fahrlehrer Dirk Mammen. Nicht, weil die Streckenführung zu anspruchsvoll sei, sondern weil es viele Ein- und Ausfahrten gebe und die Jogger, die den Trimm-Dich-Pfad nutzen, die Jägerstraße überqueren. Mammen: „Wer die Strecke gut kennt, fährt sie immer schneller, das ist gefährlich. Es ist nicht verständlich, warum es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt. Ich weiß nicht, worauf die warten.“
Monika Voßmann gehört dem Vorstand des Tennisvereins an der Jägerstraße an. „Auf dieser Höhe sind die Autofahrer noch nicht so schnell. Aber meine Kinder wohnen in der neuen Siedlung. Fährt man dort raus, ist es sehr gefährlich, weil die Kurve direkt hinter der Ausfahrt kommt. Es darf doch nicht so schwierig sein, hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu machen.“
Auch Gemeindebrandmeister Franz-Josef Nording spricht sich für ein Tempolimit aus: „Wir hatten dort genug schwere Unfälle in den vergangenen Jahren.“
