BöSEL - Das Problem eines fehlenden Treffpunktes für die Jugendlichen ist damit aber nicht gelöst. Die Polizei rät, sich darum zu kümmern.
von thomas Haselier
BÖSEL - Ein neuer, rund 1,60 Meter hoher Metallzaun hat dem Kindergarten St. Raphael in Bösel einige Sorgen genommen. Noch vor einigen Monaten hatten – wie berichtet – Kindergärtnerinnen und Eltern Alarm geschlagen, weil Jugendliche den Spielplatz als nächtlichen Treffpunkt genutzt und dabei gebrauchte Spritzen, Kondome und Flaschenscherben zurückgelassen hatten. Nun scheint der Spuk vorüber, wie die Leiterin des Kindergartens, Ulrike Runden, gegenüber der NWZ bestätigte. „Seit der Zaun da ist, haben wir keine üblen Hinterlassenschaften mehr gefunden“, zeigt sie sich erleichtert.Die Kirchengemeinde hat sich die gewonnene Sicherheit rund 9700 Euro kosten lassen. So teuer war der Metallzaun. „Er hat allerdings auch den positiven Effekt, dass er nicht nur vor ungebetenen Eindringlingen schützt, sondern auch verhindert, dass Kinder plötzlich auf die Straße laufen oder unkontrolliert das Gelände verlassen“, so Runden.
Polizeihauptkommissar Bernd Schedemann, kommissarischer Leiter des auch für Bösel zuständigen Polizeikommissariats Friesoythe, bestätigt: „Es gibt jetzt weniger Beschwerden, das ist richtig.“ In einem Fall sei ein junger Mann wegen Hausfriedensbruch angezeigt worden, weil er nachts den Zaun überstiegen habe. Die Polizei habe durch verstärkte Streifen und Kontrollen für zusätzliche Sicherheit gesorgt, ergänzt Polizeioberkommissar Bernd Meyer, der derzeit die Polizeidienststelle in Bösel besetzt.
Die Gemeinde Bösel war in den vergangenen Jahren und Monaten immer wieder wegen auffällig hoher Jugendkriminalität ins Gerede gekommen. Schedemann warnt jedoch davor, dies zu dramatisieren. „Wir haben zweifellos Probleme in Gemeinden mit hohem Aussiedleranteil, doch handelt es sich dabei nicht um Schwerkriminelle, sondern um Jugendliche, die manchmal über die Strenge schlagen“, sagt der Polizeibeamte. Zurückzuführen sei dies auch darauf, dass den Jugendlichen oft ein von ihnen angenommener Treffpunkt fehle, weil dies von den Eltern nicht akzeptiert werde. Mit repressiven Maßnahmen Jugendliche von bestimmten Punkten zu vertreiben, sei nur vordergründig eine Lösung. Das führe letztlich nur zur Verdrängung, da sich die Jugendlichen dann an anderer Stelle träfen. Vielmehr müsse rasch nach einer jugendpflegerischen Lösung gesucht werden, die auch die Jugendlichen akzeptierten.
