BRAKE/HAMBUG - Der Untergang des Braker Fischkutters Hoheweg und damit der Tod von vier Seeleuten ist wahrscheinlich auf Fehler beim Umbau des Schiffes zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis ist die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) knapp eineinhalb Jahre nach dem schweren Unglück in der Nordsee gekommen. Bei starkem Seegang und Sturm habe der Kapitän keine Chance gehabt, das wegen eines Antriebsschadens manövrierunfähige Schiff zu stabilisieren, teilte die BSU am Samstag in Hamburg mit.
Bei dem Unfall am 8. November 2006 starben alle vier Besatzungsmitglieder. Die Leichen von Decksmann Wolfgang Larsen (38) und Steuermann Siegfried Breitenfeld (47) aus Rügen und des Auszubildenden Sören Büsker (18) aus Hooksiel konnten trotz intensiver Suche erst Wochen später in der Nordsee geborgen werden. Der Braker Kapitän Sven Hullmann (27) gilt noch als vermisst.
Nach den Erkenntnissen der Seeunfallexperten begann das tödliche Drama auf den Nordergründen vor Cuxhaven damit, dass sich ein Schlauch um den Propeller der Hoheweg wickelte. Zum Verhängnis wurde dem 23 Meter langen Schiff aber wahrscheinlich eine tonnenschwere Netzwinde, die im Winter 2003/2004 nachträglich auf das Achterdeck des damals bereits 30 Jahre alten Kutters gesetzt wurde.
Bei diesem Umbau seien die Stabilitätskriterien der See- Berufsgenossenschaft nicht eingehalten worden, teilte die BSU nach der Untersuchung des im Juli 2007 geborgenen Wracks mit. Bei Einhaltung dieser Vorschriften wäre das Schiff nicht gekentert, heißt es in der Pressemitteilung.
Zum Zeitpunkt des Unglücks registrierten Messbojen gut drei Meter hohe Wellen über den Nordergründen. Selbst bei intakter Antriebsanlage hätte die Hoheweg bei diesen Verhältnissen kentern können, meinen die BSU-Experten. Indirekt kritisieren die BSU-Experten die See-Berufsgenossenschaft, die die Fischkutter regelmäßig kontrolliert. Diese Schiffsbesichtiger sollten stärker auf die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen geschult werden.
Die Hoheweg war wenige Stunden vor dem Unglück aus ihrem Heimathafen Brake (Kreis Wesermarsch) zu einer Fangreise in der Ostsee gestartet. Der Untergang vollzog sich offenbar so schnell, dass die Besatzung keinen Notruf mehr absetzen konnte. Die Seenotretter wurden durch eine automatische Notrufboje alarmiert.
Der Untergang der Hoheweg ist auch Thema einer Dokumentation von Radio Bremen, die an diesem Montag um 23 Uhr im NDR-Fernsehen zu sehen ist.
Untersuchungsbericht unter
